Fecht-Olympiasieger Alexander Koch: „Ohne die Sporthilfe wäre es nicht gegangen“

Alexander Koch engagierte sich über 20 Jahre ehrenamtlich als Mitglied im Sporthilfe-Gutachterausschuss. Im Dezember 2023 hat er sein Amt niedergelegt. Im Sporthilfe-Interview spricht der 54-Jährige über seine Zukunftspläne und was ihm aus seiner Zeit als Gutachter besonders in Erinnerung geblieben ist.


Alexander, Du hast seit 2003 an über 150 Gutachterausschuss-Sitzungen teilgenommen. Zum Ende des Jahres hast Du Dich entschieden, Dein Amt in diesem wichtigen Sporthilfe-Gremium niederzulegen. Wie geht es Dir damit?

Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge. Aber es war meines Erachtens der richtige Zeitpunkt zu gehen. Ich habe in den letzten 20 Jahren viel gelernt über den deutschen Sport, über Sportförderung und wie Verbände mit der Sporthilfe kooperieren. Es machte einfach Spaß. Mir ist aber auch bewusst, dass meine aktive Zeit als Sportler nun schon zwei Jahrzehnte zurückliegt. Insofern glaube ich, dass es gut ist, dass jetzt eine andere Perspektive reinkommt.  

Du hast gesagt, dass es der richtige Zeitpunkt war, um aufzuhören. Gab es dafür einen bestimmten Grund? 

Hauptgrund ist die berufliche Belastung. Ich habe immer versucht, mindestens an jeder zweiten Gutachter-Sitzung teilzunehmen, damit ich weiß, wie sich die Dinge weiterentwickeln. Das war in letzter Zeit beruflich immer schwieriger darstellbar. Eine konstante Besetzung des Gutachterausschusses ist gut, aber auch mal wieder neue und andere Sichtweisen einzubringen und Entscheidungen zu hinterfragen, tut dem Gremium gut.

Was hat Dich 2003 dazu bewegt, dem Gutachterausschuss beizutreten?  

Erst einmal wurde ich ganz lieb gefragt, da kann man schlecht nein sagen. (lacht) Ich hatte 1998 meine aktive Karriere beendet, war einige Jahre Aktivensprecher im deutschen Fechter-Bund und wurde dann von Gerd Klein, dem damaligen Geschäftsführer der Sporthilfe, angefragt. Ich fand das Thema super spannend, wenngleich ich vor der Aufgabe einen riesigen Respekt hatte.

 

Aber was sich durch die Jahre durchgezogen hat, ist die Begeisterung für den Sport und auch für die Arbeit der Sporthilfe.

Alexander Koch im Kreise der Gutachter:innen

Ein Grund war also auch, der Sporthilfe etwas zurückzugeben. Ohne die Sporthilfe wäre es auch in meiner Karriere nicht gegangen, meine Eltern waren nicht so betucht und Fechten ist kein ganz billiger Sport. Also auf der einen Seite hat mich das Thema interessiert und andererseits konnte ich der Sporthilfe etwas zurückgeben.

Was waren Deine typischen Aufgaben im Gutachterausschuss? 

Mit der Sitzungsleitung wechseln sich die Gutachter:innen ab. Schwerpunktthemen sind die Begutachtung und Diskussion der Förderanträge aus den einzelnen Verbänden, die einmal jährlich zur Gesamtüberprüfung eingeladen werden.

Es war sehr interessant, mit welch unterschiedlichen Herausforderungen die einzelnen Sportarten konfrontiert sind.

Dies galt es in unseren Beschlüssen und strategischen Empfehlungen für die Geschäftsstelle zu berücksichtigen. Am Anfang konnte ich meine Perspektive als Vertreter einer Individualsportart und meine Erfahrung aus der Verbandsarbeit als Aktivensprecher einbringen. Durch meine berufliche Laufbahn lag der Fokus später eher auf den Themen, Zahlen, Konzepte, Methoden und wie erfolgreiche Ansätze von einem Verband gegebenenfalls in abgewandelter Form auf andere Verbände übertragbar sind. Mein Input hat sich mit der Zeit also auch gewandelt.

Welche Sitzung, Entscheidung oder Antrag ist Dir in all den Jahren besonders im Gedächtnis geblieben?  

Manchmal arbeitet man die Unterlagen im Vorfeld durch und denkt, das ist alles ganz klar, da wird es nicht viel Diskussion geben. Und dann entwickelt sich die Sitzung in eine ganz andere Richtung. Einmal hatte ich die Versammlungsleitung und das ist mir völlig aus dem Ruder gelaufen. Aber auch das gehört dazu, es geht nicht immer alles glatt.

Deine Nachfolgerin im Gutachterausschuss wird Schwimm-Paralympicssiegerin Kirsten Bruhn. Hast Du Tipps, die Du ihr mit auf den Weg geben kannst?

Neugierig sein und Fragen stellen. Damit bringt man unterschiedliche Perspektiven rein. Und Spaß haben! Mehr Tipps möchte ich gar nicht geben. 

Hast Du schon Pläne, wie Du Deine neugewonnene Freizeit nutzen möchtest? 

Ich möchte mich für das Mentoren-Programm anmelden und somit der Sporthilfe treu bleiben.

 

 

Es ist unglaublich beeindruckend, welchen Leistungsaufwand die Athletinnen und Athleten betreiben müssen, gerade in jungen Jahren, wie viel Disziplin sie aufbringen und was sie alles können müssen.

Ich habe einen langjährigen Energiebranche-Hintergrund, habe lange Jahre im Kraftwerksbereich gearbeitet und bin heute im Chemie-Umfeld tätig – ich kümmere mich um die Technik der Wasserversorgungs- und Kläranlagen in einem großen Chemiepark. Wenn sich eine Athletin oder ein Athlet in dieser Richtung beruflich interessiert, kann ich die eine oder andere Brücke schlagen. Und ich möchte meine Erfahrungen an Sportlerinnen und Sportler weitergeben, die auf der Zielgeraden vom Sport ins Berufsleben sind. Es geht mit Bewerbungstipps los und der Umstellung der Mentalität, dass man im Berufsleben nicht der Weltmeister, sondern erstmal Anfänger ist, wie jeder andere auch. Ich würde also gerne bei der Karriere-Planung unterstützen und junge Menschen coachen. Das würde mir Spaß machen.  

Seit 2004 bist Du auch Mitglied im Ehemaligen-Netzwerk der Sporthilfe. Was macht aus Deiner Sicht den Sporthilfe Alumni-Club aus? 

Er ist eine Chance auch über den aktiven Sport hinaus mit Gleichgesinnten in Kontakt zu bleiben. Ich war am Anfang Empfänger von Sporthilfe-Leistungen, und über das Alumni-Netzwerk kann man finanziell oder durch immaterielle Förderleistungen der Sporthilfe etwas zurückgeben. So kann man aus ehemaligen Geförderten wieder neue Förderer machen. Ein solches Netzwerk ist eine klassische Win-Win-Situation.  

Du hast über den Gutachterausschuss über 50 Sportarten näher kennengelernt. Welche Sportart fasziniert Dich besonders? 

Turnen und Rhythmische Sportgymnastik. Es ist unglaublich beeindruckend, welchen Leistungsaufwand die Athletinnen und Athleten betreiben müssen, gerade in jungen Jahren, wie viel Disziplin sie aufbringen und was sie alles können müssen. Das gilt für Turnen, aber auch für so „Exoten“ wie Sportklettern. Wenn man Bilder sieht, wie sie Berge oder Wände hochrennen, das ist faszinierend. Es kommen jetzt auch immer mehr neue Sportarten in die Förderung, die teilweise auch neu im olympischen Programm sind. Insofern bleibt es da spannend und es ist natürlich besonders erfrischend, wenn man Einblicke in diese für einen selbst noch unbekannten Sportarten bekommen darf. Selbst ausprobiert habe ich aber bisher keine. Fechten war für mich die ideale Sportart. Heute halte ich mich mit Kursangeboten im Internet fit. Das mache ich mit meiner Frau zusammen, damit ich nicht ganz alleine rumturne. Da motivieren wir uns gegenseitig.


 

Zur Person

Alexander Koch, geboren am 22. Februar 1969 in Bonn, wurde bei den Olympischen Sommerspielen in Barcelona 1992 mit der Mannschaft Fecht-Olympiasieger. Sowohl 1989 als auch 1993 gewann er WM-Gold im Einzel mit dem Florett. 

Von der Sporthilfe wurde er von 1985 bis 1998 gefördert, seit 2004 ist er Mitglied im Sporthilfe Alumni-Club. Von 2003 bis 2023 war Alexander Koch ehrenamtlich im Gutachterausschuss der Sporthilfe tätig. Heute arbeitet er als Leiter Technik Wasserversorgung & -Reinigung bei Currenta GmbH & Co. OHG in Leverkusen.


Der Sporthilfe-Gutachterausschuss

Laut Sporthilfe-Verfassung beschließt der Gutachterausschuss über die im Einzelfall zu ergreifenden Maßnahmen der Spitzensportler:innen. Er entscheidet in Abstimmung mit dem Vorstand der Stiftung über sämtliche Förderungsmaßnahmen für Athlet:innen, von der Basis- über die Nachwuchsförderung, über Anträge auf individuelle Förderung wie Nachhilfeunterricht und Stipendien bis hin zu den Elite-Programmen der Sporthilfe-Förderung sowie Olympia- und Paralympics-Prämien.  

Der achtköpfige Ausschuss setzt sich aus sieben ehemaligen Top-Athlet:innen, die alle ehrenamtlich für die Sporthilfe arbeiten, sowie dem Vorstand Leistungssport als Vertreter des DOSB zusammen. Ständige Gäste in den jeweils monatlich stattfindenden Sitzungen sind ein:e Vertreter:in des Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) und des Vereins Athleten Deutschland. Die Geschäftsführung liegt bei Karin Orgeldinger, Mitglied des Sporthilfe-Vorstands und dort zuständig für die Athletenförderung.

Der aktuelle Gutachterausschuss:  

  • Olaf Heukrodt (Olympiasieger Kanu) 

  • Steffi Nerius (Olympiazweite und Weltmeisterin Speerwurf) 

  • Miriam Vogt (Weltmeisterin Ski alpin) 

  • Mark Warnecke (Weltmeister Schwimmen) 

  • Frank Wieneke (Olympiasieger Judo) 

  • Till Behnke (Deutscher Meister Rugby) 

  • Kirsten Bruhn (Paralympicssiegerin Schwimmen), in Nachfolge von Alexander Koch

  • Prof. Dr. Ilka Seidel (Vertretung DOSB-Vorstand Leistungssport)

Nach 20 Jahren legt Alexander Koch (4. von links) sein Ehrenamt nieder - und verlässt seine letzte Gutachterausschusssitzung mit einem lachenden und einem weinenden Auge.


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