Deutsche Sporthilfe

Eisschnellläufer Patrick Beckert auf neuen Wegen


Traum von einer olympischen Medaille / Trainingssteuerung via Skype und WhatsApp

Patrick Beckert richtet den Blick auf die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang (Foto: picture alliance)

Frankfurt am Main, 4. Januar 2017 - Er wäre ein heißer Medaillenanwärter für die am 6. Januar beginnende Europameisterschaft der Eisschnellläufer in den Niederlanden. Aber Patrick Beckert fährt nicht nach Heerenveen. Nicht, weil er verletzt wäre, auch nicht, weil seine Form nicht stimmt – im Gegenteil, mit seinen Zeiten bei der Leistungsüberprüfung zum Jahresbeginn ist er sehr zufrieden. „Die Europameisterschaft passt nicht in meine WM-Vorbereitung", sagt der 14-malige Deutsche Meister. So einfach ist das. Deutschlands erfolgreichster Eisschnellläufer der vergangenen Jahre ordnet alles der Weltmeisterschaft unter. Dafür lässt er eben auch mal eine mögliche EM-Medaille liegen.

 

Kraft- und Radtraining statt Training auf der Eisbahn

Denn anstatt auf der Eisbahn hat der 1,83 Meter große Modell-Athlet zuletzt lieber im Kraftraum und auf dem Rad trainiert – mitten in der Saison der Eisschnellläufer. „Ich brauche das, um meine Grundlagenausdauer wieder aufzufrischen. Ich war von Ende September bis Mitte Dezember nur auf dem Eis. Da muss ich auch aufpassen, dass ich das technische Feingefühl nicht verliere. Außerdem will ich nach zwei Monaten Eistraining dann auch mal raus aus dem täglichen Trott, sonst stumpfe ich vom Kopf her ab.“

Die Erfahrung aus den letzten Jahren gibt dem 26-Jährigen Recht. „Ich habe in der Vergangenheit Verschiedenes ausprobiert und gemerkt, dass es besser ist, die EM auszulassen, wenn ich bei der WM ein gutes Ergebnis laufen will.“ Ein „gutes Ergebnis“, das waren zuletzt herausragende Top-Platzierungen: 2015 WM-Bronze über 10.000 Meter, im letzten Jahr verpasste Beckert mit zwei vierten Plätzen über die 5000 und 10.000 Meter jeweils nur knapp das Podest.

 

Beckert_Portrait_220px

Erfolgreich durch eigene Wege

Das war nicht immer so, die Erfolge hat sich der Erfurter hart erarbeitet. Dafür ist er eigene, neue Wege gegangen, teilweise auch entgegen den Vorgaben des Verbandes. Ein Wendepunkt für den talentierten Eisschnellläufer, der bereits 2010 mit 19 Jahren an seinen ersten Olympischen Spielen in Vancouver teilnahm, war sein Ergebnis 2014 in Sotschi: Platz sechs bzw. acht standen am Ende zu Buche, und Patrick, Bruder von Team-Olympiasiegerin Stephanie Beckert wusste: „Ich will mehr.“ Der Verband, personell im Umbruch begriffen, gab ihm mehr Freiheiten. Und Patrick Beckert entwickelte im persönlich gesteuerten Training ein Gefühl dafür, mit welchen Trainingsmethoden er erfolgreich sein kann. Das Ergebnis war 2015 die erste WM-Medaille für einen männlichen deutschen Eisschnellläufer seit 15 Jahren!

Die erstaunliche Erkenntnis, die er trotz des großartigen Erfolges aus jenem Jahr mitnahm: „Hier geht’s für mich nicht mehr weiter.“ Für ihn war klar, „ich brauche neue Anreize und neue Inspiration. Ich muss meinen Horizont erweitern.“ Also schloss sich Patrick Beckert im Sommer 2015 einem Privatteam in den Niederlanden, dem europäischen Mekka des Eisschnelllaufsports, an. Der Preis, den er dafür bezahlen musste, war hoch. Er verlor seinen Bundeswehrplatz und damit die sichere Existenz als Sportsoldat.
 
Seitdem muss er sich über Sponsoren- und Preisgelder finanzieren – und wird bestmöglich von der Deutschen Sporthilfe unterstützt, seit 2015 in der Mercedes-Benz Elite-Förderung, seit neuestem auch im Förderprogramm ElitePlus. 18 Monate lang erhält er vor den Olympischen Spielen monatlich 1500 Euro Sporthilfe-Förderung, die diese über ihren Partner PricewaterhouseCoopers (PwC) olympischen Medaillenkandidaten zur Verfügung stellt, die nicht über eine staatliche Sportförderstelle abgesichert sind. Denn obwohl Beckert nach einem Jahr nach Deutschland zurückkehrte, den Platz bei der Bundeswehr hat er nicht wieder bekommen. Trotzdem sagt er: „Der Schritt damals war wichtig und richtig. In jenem Jahr in Holland habe ich die Lücke zur Weltspitze geschlossen, jetzt bin ich ein Medaillenkandidat für die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang.“

 

Beckert_aktion_220px

Trainingssteuerung via Skype und WhatsApp

Eine olympische Medaille – das ist der große Traum von Patrick Beckert. Dafür geht er weiter seinen eigenen Weg. Nach seiner Rückkehr aus den Niederlanden hat er sich nicht wieder der nationalen Trainingsgruppe angeschlossen, er trainiert nur gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Pedro. Seinen persönlichen Trainer, Gabriel Girard, hat er in Holland kennen gelernt, doch dieser lebt nun tausende Kilometer entfernt in Kanada. „Ich brauche keinen, der mir jeden Tag in den Hintern tritt, ich bin sehr diszipliniert und eigenmotiviert.“ Im Sommer hat Beckert gemeinsam mit Girard den Trainingsplan erstellt, seitdem zieht er ihn tagtäglich eigenständig durch. Via Skype und WhatsApp gibt der Thüringer dem Kanadier Rückmeldung, wie es im Training läuft, und gemeinsam überlegen sie dann, ob und wann der Trainingsplan anzupassen ist. Die Umsetzung obliegt dann allein Beckert vor Ort. „Wichtig ist für mich, im Vorfeld genau zu planen. Wenn zwei Trainingseinheiten für den Tag angesetzt sind, finden diese nicht ‚irgendwann‘ am Vor- und Nachmittag statt, sondern für mich müssen die genauen Zeiten feststehen. Das beginnt mit der Zeit, wann morgens der Wecker klingelt, geht weiter mit dem genauen Trainingsbeginn, über die Pausen zwischen zwei Einheiten bis hin zur Ernährung.“ So meistert er die Eigenorganisation.

In wichtigen Phasen, wie beispielsweise in den ersten Wochen der Saison auf dem Eis, war Girard auch vor Ort, denn „es ist wichtig für mich, dass ich auch mal Feedback von außen zum Beispiel zu meiner Technik bekomme“. Und bei wichtigen Wettkämpfen ist Girard an Beckerts Seite, nimmt ihm vieles ab, organisiert, bringt Ruhe in die Abläufe, so dass der Athlet den Kopf frei bekommt für den Lauf. Bei den Weltcups in Astana und Heerrenveen in dieser Saison haben sie das erfolgreich erprobt, Beckert lief über 5000 Meter auf Platz 2 und über 10.000 Meter auf Platz 4. Mit den Preisgeldern, auch wenn sie nicht üppig ausfallen, finanziert er die Reisekosten seines Trainers.

 

Vorolympischer Test

Auch bei den diesjährigen Weltmeisterschaften vom 9. bis 12. Februar wird Girard vor Ort sein, im südkoreanischen Pyeongchang. Es wird ein erster vorolympischer Test für Beckerts großen Traum von einer olympischen Medaille. Denn auf jener Bahn werden im kommenden Jahr die olympischen Medaillen vergeben. Für Beckert ist es somit besonders wichtig, im Februar 100-prozentig fit und vom Kopf bereit zu sein, seine bestmögliche Leistung abzurufen. Wichtiger als eine Medaille – „natürlich würde ich mich sehr darüber freuen“ – ist für ihn aber an diesem Tag die zu laufende Zeit. Darüber will er sich ein gutes Gefühl und Selbstbewusstsein für das kommende Jahr holen. „Wenn der Lauf und die Zeit stimmen, kann ich für die olympische Saison darauf aufbauen, dann weiß ich, dass ich richtig trainiert habe.“

Es wäre ein wichtiger Schritt und eine große Motivation für die vorolympische Saison – und ein gutes Argument für den nicht immer vom Verband gern gesehenen Alleingang. Doch das versucht Beckert auszublenden. „Mir sind die wichtig, die richtig an mich glauben. Deshalb freut es mich sehr, dass die Deutsche Sporthilfe so zu mir steht und dass ich in den exklusiven Kreis der ElitePlus-Geförderten aufgenommen wurde. Das will ich mit Leistung zurückzahlen – am liebsten mit einer Medaille bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang.“

 

Werde Förderer der Deutschen Sporthilfe

Unterstütze als Förderer die deutschen Nachwuchs- und Spitzensportler.

Jetzt Förderer werden!

Patrick Beckert

Geboren: 17. April 1990 in Erfurt

Sportart: Eisschnelllaufen

Disziplin/Strecke:
5000 Meter und 10.000 Meter

Größte Erfolge:
WM-Bronze 2015, 2-facher WM-Vierter 2016, Platz 6 und 8 bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi Junioren-WM-Zweiter mit dem Team 2007 und 2009

Sporthilfe-gefördert seit 2005:
von 2009 bis 2015 in der Nachwuchselite-Förderung, anschließend in der Mercedes-Benz Elite-Förderung und seit September 2016 zusätzlich im Förderprogramm ElitePlus