Deutsche Sporthilfe

Maria Höfl-Riesch: „Felix Neureuther ist wie ein Bruder für mich“

Frankfurt am Main, 03.10.2017 -

Maria Höfl-Riesch ist eines der größten Aushängeschilder des deutschen Wintersports und gewann in ihrer aktiven Zeit unter anderem drei Olympische Goldmedaillen sowie zwei WM-Titel. Zu Beginn ihrer Karriere stand wie bei vielen großen Athleten die Auszeichnung zum „Juniorsportler des Jahres“, denn bereits im Junioren-Bereich war sie mit fünf WM-Titeln überaus erfolgreich. Im Sporthilfe-Interview spricht die heute 32-Jährige über Erwartungen und Hoffnungen für die bevorstehenden Olympischen Winterspiele sowie über die Situation im deutschen Nachwuchs-Leistungssport.

Maria Höfl-Riesch: 2014 zum letzten Mal als Aktive bei Olympischen Spielen (Bild: picture alliance)

Maria, die ersten Olympischen Spiele nach Deinem Karriereende stehen an. Kribbelt es noch, oder bist Du froh, die Wettkämpfe diesmal von außen beobachten zu können?

Ich war schon bei den Olympischen Sommerspielen vergangenes Jahr in Rio, was ein tolles Erlebnis war. Aber natürlich sind Winterspiele für mich etwas Besonderes, und ich freue mich, sie diesmal von der anderen Seite erleben zu dürfen. Ich werde zwei Wochen für die ARD als Expertin vor Ort im Einsatz sein.

Was erwartest Du für die Spiele in Pyeongchang?

Ich werde selbst das erste Mal in Südkorea sein, daher bin ich schon sehr gespannt auf die Eindrücke, die mich dort erwarten. Olympische Spiele sind immer ein Highlight, egal wo sie stattfinden. Ich hoffe, dass es wie zu meiner Zeit ein großes friedliches Sportfest wird und dass Deutschland viele Medaillen holt.

Gibt es einen oder mehrere Athleten, mit denen Du ganz besonders mitfieberst?

Natürlich drücke ich vor allem meinem ehemaligen Team vom Deutschen Skiverband, den Herren und den Damen, die Daumen. Und ganz besonders Felix Neureuther. Wir beide sind zusammen aufgewachsen, er ist fast wie ein Bruder für mich. Eine olympische Medaille für ihn wäre großartig, die fehlt ihm noch zur perfekten Karriere. Aber auch mit allen anderen deutschen Athleten werde ich mitfiebern.

Zu Beginn Deiner erfolgreichen Karriere stand wie bei vielen großen Sportlern der Titel zur Juniorsportlerin des Jahres. Wie hast Du die Auszeichnung damals erlebt?

Es war eine große Ehre für mich, meine erste große Auszeichnung. Ich weiß noch, dass ich wahnsinnig aufgeregt war, weil ich vor hochrangigen Politikern eine Rede halten musste. Ein tolles Erlebnis, so was bleibt ewig in Erinnerung.

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Seit diesem Jahr ist die Wahl erstmals öffentlich. Auf www.juniorsportler-des-jahres.de kann jeder für seinen Favoriten abstimmen – hast Du schon gewählt?

Natürlich, aber ich verrate nicht wen (lacht). Nur so viel: Meine Favoriten kommen aus dem Wintersport.

Du hast in Deiner Karriere alles erreicht, angefangen bei fünf Juniorenweltmeister-Titeln bis hin zu Deinem dritten Olympiasieg 2014. Welchen Tipp kannst Du den jungen, aufstrebenden Athleten mit auf den Weg geben?

Man muss ein Ziel haben und für dieses Ziel kämpfen, auch dann, wenn es mal aussichtslos erscheint oder Niederlagen einen zurückwerfen, dann ganz besonders. Ich habe selbst Tiefs erlebt, gerade nach Verletzungen. Einmal wusste ich nicht, ob ich überhaupt wieder Ski fahren kann. Aber ich habe alles gegeben und mich aus dem Loch herausgekämpft. Wenn man das macht, wird man am Ende auch belohnt. Ich habe mir mit meiner Karriere einen Traum erfüllt, habe mein Hobby zum Beruf gemacht und war erfolgreich. Mehr geht für einen Sportler nicht.

Wie siehst Du die Nachwuchsarbeit in Deutschland im Allgemeinen aufgestellt, wo siehst Du Verbesserungspotenzial?

Ich kann nur für den Bereich Ski Alpin sprechen, bei den anderen Disziplinen fehlt mir der genaue Einblick: Obwohl es Fortschritte gibt, sind wir vor allem bei den Damen im internationalen Vergleich nicht sehr gut aufgestellt. Da sind zu wenige verlässliche Leistungsträger, es fehlt an der Breite. Man muss insgesamt mehr für den Skisport tun, damit er für die nachfolgenden Generationen attraktiv bleibt. Und beim aktuellen Nachwuchs muss man sich das System im Gesamten anschauen, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss. Ich glaube, kleine Änderungen genügen nicht mehr, es läuft ja schon länger nicht optimal.

Zur Abstimmung zum Juniorsportler des Jahres 2017: www.juniorsportler-des-jahres.de

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