Deutsche Sporthilfe

Wahl zum Sport-Stipendiat des Jahres 2017


Jan-Philip Glania (Bildquelle: Mirko Seifert)

Olympia-Siebter Jan-Philip Glania im Interview: „Wegen Uni und Sport gehen in Deutschland zu viele Talente verloren“

Der Rückenschwimmer steht zur Wahl zum „Sport-Stipendiat des Jahres“ / Deutsche Bank und Sporthilfe vergeben Auszeichnung für Spitzenleistungen in Sport und Studium / Top 5 in öffentlicher Online-Abstimmung unter sportstipendiat.de

Frankfurt am Main, 20.07.2017 - Jan-Philip Glania schwamm bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro mit der 4 x 100-Meter-Lagenstaffel im Finale auf den siebten Platz – der bislang größte Erfolg seiner Karriere. Nach Rio brachte ein Trainerwechsel mit neuen Trainingsreizen frischen Schwung, doch ein Armbruch Ende 2016 bedeutete für ihn zunächst eine zweimonatige Zwangspause. Der 28-Jährige studiert Zahnmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt. Trotz gebrochenen Armes, der ihn bei den Behandlungen an Phantomköpfen stark behinderte, bestand er das sechste Semester, sodass er inzwischen an der Zahnklinik seine eigenen Patienten behandeln darf.

In Kürze beginnen  die Schwimm-Weltmeisterschaften in Budapest, die wegen den Folgen Deines Armbruchs ohne Dich stattfinden. Kann man Dich diesen Sommer dann anstatt im Wettkampfbecken in Deiner Freizeit auch mal am Pool oder gemütlich im Café antreffen?

Jan-Philip Glania (lacht): Schön wär‘ es. Nein, für so etwas hab ich trotz WM-Ausfall keine Zeit. Ich bin eigentlich permanent am Lernen, denn jetzt stehen die Semester-Klausuren an. Da muss ich jede Minute nutzen. In der Regel verlasse ich morgens um 6:30 Uhr das Haus, der Uni-Tag dauert – wenn es zeitlich rein passt nur unterbrochen durch Krafttraining – bis 17 oder 18 Uhr. Daran schließt sich bis 20 Uhr das Beckentraining an. Und wenn ich wieder zu Hause bin, geht es mit Lernen weiter. Da ist wenig Platz für Freizeit.

Im Vorfeld der Olympischen Spiele hattest Du Freisemester genommen und Dich nur auf das Schwimmen konzentriert. Waren das im Vergleich zur Doppelbelastung schon nahezu paradiesische Zustände?

Nur zu trainieren, das hat schon sehr entlastet. Ich konnte das Training verdoppeln und auch ausgiebig Krafttraining machen. Außerdem hatte ich mittags die Möglichkeit zur Regeneration, konnte auf eine gesunde Ernährung achten und Physiotherapie in Anspruch nehmen. Das fällt aktuell eigentlich komplett weg. Aber parallel dazu zu studieren hat auch seine positiven Seiten. Wenn man etwas für den Kopf tut, freut man sich wieder mehr auf das Training. Während der Urlaubssemester habe ich gemerkt, dass ich beides brauche. Nur eins von beiden macht mich nicht glücklich – auch wenn ich durch die Doppelbelastung schon sehr an meine Grenzen komme.

Du hast die Sportförderung in Deutschland hinsichtlich der Dualen Karriere auch schon mal als „steinzeitlich“ bezeichnet. Um Sport und Studium besser vereinbaren zu können, was würdest Du Dir wünschen?

Als erstes wünsche ich mir, dass ich auch weiterhin das Deutsche Bank Sport-Stipendium bekomme! Denn ohne das Stipendium wüsste ich gar nicht, wie ich das Geld für Miete, was hier in Frankfurt ja nicht wenig ist, oder für die Lebenshaltungskosten zusammenbringen sollte. Und wenn man dann noch so ein teures Studium wie die Zahnmedizin hat und den Schwimmsport dazu, bei dem man auf viele Trainingslager fährt, da wüsste ich nicht, wie ich das stemmen soll. Dann müsste ich im Schwimmen wahrscheinlich kürzer treten. Meine Aussage hinsichtlich der Steinzeit war nicht so sehr auf die finanzielle Unterstützung bezogen, sondern galt dem System in Deutschland an sich.

Was meinst Du konkret damit?

Da muss ich nur in die USA schauen. Dort trainiert quasi die komplette Olympia-Mannschaft an den Unis, das Training findet an der Uni statt, die Kurse werden drum herum gebaut und in den Tagesablauf integriert. Bei uns dagegen stehen sich Sport und Uni eher gegenseitig im Weg. Das führt dazu, dass viele meinen, sich zwischen Uni und Sport entscheiden zu müssen und in Deutschland viele Talente verloren gehen. Im Grunde müsste man das ganze System ändern, was natürlich nicht geht. Aber wenn ich auf meine persönliche Situation bezogen einen zweiten Wunsch frei hätte, dann den, dass ich auch mal ein Semester auf zwei strecken könnte. Aber in der Zahnmedizin geht das nicht. Das Semester besteht mehr oder weniger aus einem Kurs. Entweder bestehst Du diesen oder nicht. Weniger als 100 Prozent geht nicht.

Was fasziniert Dich an der Zahnmedizin?

Ich finde es sehr attraktiv, dass es eine Kombination aus Handwerk und Kopfarbeit ist. Mittlerweile behandele ich meine eigenen Patienten, und ich bin froh, Menschen mit Schmerzen und Problemen helfen zu können. Und bei allem zeitlichen Stress, Klausuren und Abgabezeiten für kieferorthopädische Arbeiten ist es total befriedigend zu merken, wie man sich weiterentwickelt. Ich merke, ich komme voran. Im Schwimmsport, so sehr ich ihn liebe, fehlt mir das manchmal. Jeder Tag ist da gleich, man ist nach dem Training kaputt und müde und merkt kaum Fortschritte oder erst nach langer Zeit. Von daher bin ich froh, dass ich beides habe, das ist für mich ein gesundes Gleichgewicht.

Wie sehen Deine Pläne aus? Sind die Olympischen Spiele in Tokio ein Ziel – es wären Deine dritten insgesamt – oder siehst Du Dich 2020 schon in der eigenen Praxis stehen?

Nein, so schnell geht das alles nicht. Ich komme jetzt ins achte Semester, das heißt, drei liegen noch vor mir plus die Prüfungen für das Staatsexamen, die auch ein halbes Jahr lang dauern. Ich habe mir jetzt erstmal vorgenommen, zu Ende zu studieren. Ein Traum und ein Ziel ist letztendlich eine eigene Praxis. Aber da liegen dann mindestens nochmal zwei Jahre als Assistenzarzt dazwischen. Den Ehrgeiz habe ich auf jeden Fall. Die Spiele in Tokio schweben mir auch im Kopf herum. In Rio mit der Staffel im Finale zu stehen, war so ein Hammer-Gefühl! Aber dafür muss ich mir erst noch einen genauen Plan machen, wie ich die kommenden drei Jahre angehe und dann alles unter einen Hut bekommen kann.

Bewerbungs-Video von Jan-Philip Glania zur Wahl zum Sport-Stipendiat des Jahres: https://youtu.be/FeBhTTwqctM

Steckbrief
Jan-Philip Glania (* 8. November 1988 in Fulda)

Sportart: Schwimmen/100 m und 200 m Rücken
Wohnort: Petersberg (Fulda) / Frankfurt am Main
Verein: SG Frankfurt
Größte Erfolge: Olympia-Siebter mit der 4 x 100-Meter-Lagenstaffel 2016
WM-Dritter mit der 4 x 100-Meter-Lagenstaffel 2015
EM-Dritter über 100 m Rücken 2014
Olympia-Zehnter über 200 m Rücken 2012
Deutscher Rekordhalter über 200 m Rücken
Studium: Zahnmedizin
Universität: Goethe-Universität Frankfurt

Die Top-5 der Wahl zum Sport-Stipendiat des Jahres

Die Top-5 der Wahl zum Sport-Stipendiat des Jahres (Bilder: Jan-Philip Glania: Mirko Seifert / Laura Grasemann: Harald Marbler / Anna Schaffelhuber: Ralf Kuckuck / DBS-Akademie / Lisa Marie Schütze: picture alliance / Theresa Stoll: Christian Schießl

Die Deutsche Bank unterstützt im Rahmen der Sporthilfe-Förderung studierende Spitzenathleten mit 400 Euro im Monat. Aktuell profitieren rund 400 Sporthilfe-geförderte Athleten vom Programm, das mit einem Zeitbonus über die Regelstudienzeit hinaus gewährt wird. Die besonderen Leistungen der studierenden Athleten sollen mit der Wahl zum Sport-Stipendiat des Jahres zusätzlich herausgestellt und gewürdigt werden. Der Preisträger erhält für 18 Monate von der Deutschen Bank den doppelten Stipendiumsbetrag von 800 Euro pro Monat. Die weiteren vier Finalisten erhalten für den gleichen Zeitraum eine Zusatzförderung in Höhe von 200 Euro pro Monat.

Diese Sporthilfe-Athleten stehen zur Wahl: Jan-Philip Glania (Schwimmen/Zahnmedizin), Laura Grasemann (Ski Freestyle/Molekulare Biotechnologie), Anna Schaffelhuber (Ski alpin paralympisch/Lehramt), Lisa Marie Schütze (Hockey/Humanmedizin) und Theresa Stoll (Judo/Humanmedizin). Bis zum 20. August 2017 kann jeder unter www.sportstipendiat.de den Nachfolger von Lisa Mayer, Olympia-Vierte mit der 4 x 100-Meter-Sprint-Staffel, wählen. Unter allen Teilnehmern des Online-Votings wird eine Deutsche Bank SparCard mit einem Guthaben von 500 Euro verlost.

HINWEIS AN DIE REDAKTIONEN:

Abdruck honorarfrei.
Quelle: Deutsche Sporthilfe

Wir bieten kosten- und rechtefreies Video- und Foto-Material an:

>> einen sendefertig geschnittenen und vertonten Video-Beitrag, der die fünf Finalisten sowohl als Sportler als auch als Student vorstellt. Wir zeigen spektakuläre Einblicke in die Trainingsarbeit und schauen beim Studium über die Schulter.
>> Zum Download: http://bit.ly/2u9pVdl
>> Zum Embedden aus dem Sporthilfe YouTube-Kanal:
https://youtu.be/DssLopCQuOI

>> Auf Wunsch stellen wir gerne kostenlos Rohmaterial zu den fünf Athleten zur Verfügung. Wenden Sie sich bitte an Timon Saatmann: // E-Mail: ts@teamon.de // Tel.: 0176 / 31361539

>> Rechtefreies Fotomaterial steht zum Download hier zum Download bereit: Foto-Download