Deutsche Sporthilfe

Stefan Nimke: „Ich muss bei der WM zeigen, dass ich in das Olympiateam gehöre.“


Interview: Gerald Frank

 

Im Dezember gehörte Stefan Nimke noch zu dem Bahnrad-Trio, das im Teamsprint einen neuen Weltrekord aufstellte. Trotzdem muss sich der Teamsprint-Olympiasieger von 2004 und fünffache Weltmeister mit Topleistungen bei der Bahnrad-WM (4. - 8. April) in Melbourne (Australien) bewähren, damit ihn der Bundestrainer für die Olympischen Spiele in London nominiert. Mit einer Titelverteidigung der deutschen Teamsprinter am ersten Tag der WM dürfte der 34-jährige Sporthilfe-Elitesportler seinem großen Traum ein Stückchen näherkommen: Nichts wünscht sich Nimke sehnlicher als einen krönenden Abschluss seiner Karriere mit erneutem Teamsprint-Gold in London.


Stefan Nimke Aktion - Einzelsicht

Welche Hoffnungen und Erwartungen hast du für die WM -  nur wenige Monate vor den Olympischen Spielen?

… dass wir im Teamsprint unseren Titel verteidigen. Ich erwarte, dass wir in das große Finale kommen. Nach den Ergebnissen der letzten Monate wäre alles andere eine Enttäuschung. Die WM hat zudem eine große Bedeutung für die Nominierung. Ich muss hier noch einmal zeigen, dass ich in das Olympiateam gehöre. Als Nation haben wir das Ticket in der Tasche. Der Bundestrainer hat die Qual der Wahl, für wen er sich nach der WM entscheidet. Es können nur drei Sportler zu den Spielen, aber wir sind vier, die sich dafür anbieten.

Spielen taktische Erwägungen bei der Nominierung eine Rolle?

Ja. Es geht darum, den Teamsprint optimal zu besetzen, da wir dort die derzeit besten Chancen haben, Olympiagold zu gewinnen. Eine gute Abstimmung aufeinander ist wichtig, sodass wir auch als Team und nicht jeder einzeln seine Runde fährt. Schließlich spielt der Windschatten des Vordermannes eine große Rolle. Aber mit den drei Teamsprintfahrern müssen auch die Disziplinen Sprint und Keirin gut besetzt werden. Auch da sind die Medaillen für uns alle vier in Reichweite.

Im Dezember warst du im Teamsprint am neuen Weltrekord beteiligt. Doch zuletzt warst du nicht im Team …

Es soll eben das stärkste Team gefunden werden. Der Bundestrainer wollte alle nur denkbaren Formationen im Laufe der Olympia-Quali testen. In London bekamen René Enders, Robert Förstemann und Max Levy ihre Chance. Dafür war Levy bei der EM nicht im Team. Förstemann musste bei der WM 2011 und beim Weltcup in Cali aussetzen. Auch in Melbourne ist er nicht dabei.

Ist der Teamsprint bei den Olympischen Spielen auch ohne Stefan Nimke denkbar?

Der Sieg beim Weltcup in London hat gezeigt, dass der Teamsprint auch ohne mich erfolgreich sein kann. Und somit ist das theoretisch auch denkbar. Ich persönlich denke, dass die Schnellsten auf der jeweiligen Position die Idealbesetzung für die Spiele sind. Und das ist für mich ganz klar die Formation, die in Cali Weltrekord gefahren ist.  

Stefan Nimke Teamsprint - Einzelsicht

Wie setzt man den Gegner bei einem Rennen am besten unter Druck? Und wo sind die Stärken des deutschen Teams?

Im Teamsprint die anderen Mannschaften unter Druck zu setzen, erreicht man am besten durch ein sicheres und ausdruckstarkes Auftreten als Mannschaft im Sinne von: „Wir sind gut drauf und machen alles platt.“ Dann setzt man andere natürlich durch eine starke Zeit unter Druck. Unsere Stärke ist die Willenskraft, unsere Leistungsfähigkeit voll zu entfalten.

Gibt es besondere psychologische Spielchen und Taktiken, den Gegner zu verunsichern?

Am besten bekommt man sich selber in den Griff und konzentriert sich auf sich selbst. Die Sporthilfe hat mir dabei übrigens vor den Olympischen Spielen 2004 sehr geholfen, indem sie für mich die Kosten für individuelles mentales Training übernommen hat. Aus eigenen Mitteln hätte ich das nicht bezahlen können. Und mit den Erfolgen bei den Olympischen Spielen (Anm. d. Red.: Gold im Teamsprint und Bronze im Zeitfahren) hat sich dies auch bezahlt gemacht. Überhaupt ist die Sporthilfe mein größter Sponsor und ohne sie würde ich den Sport in seiner derzeitigen Form sicher schon lange nicht mehr ausüben.

Wie ist die Olympia-Bahn in London?

Die Bahn in London ist super und wir kommen gut mit ihr zurecht. Sicher gibt es ein paar Eigenschaften der Bahn, an die wir uns noch gewöhnen müssen. Am Ende zählt nur: Trampeln, trampeln, trampeln. Und wenn die Oberschenkel noch so brennen, ist das auch egal. Mein Traum ist, noch einmal Olympiagold im Teamsprint zu gewinnen.

Stefan Nimke Portrait 2012 - Einzelsicht

Nach London soll Schluss sein, hast du verkündet.

Jeder Sportler sollte daran denken, dass es auch ein Leben nach dem Sport gibt. Erst einmal will ich meine Berufsausbildung bei der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern endlich abschließen. Bei meinen Rücktrittsgedanken spielt vor allem meine Familie eine besondere Rolle. Die letzten Jahre bin ich sehr viel unterwegs gewesen. Gerade die Kinder leiden darunter sehr. Die Familie hat mir immer sehr viel Rückhalt gegeben und nur sie hat die vielen Erfolge erst möglich gemacht. Wenn sie nicht hinter mir und dem Sport gestanden hätte, hätte ich mit dem Sport bereits vor vielen Jahren aufgehört. Nun wird es aber Zeit etwas zurückzugeben.

Aufgrund eines Verstoßes gegen die Melde-Auflagen der WADA durch Grégory Baugé wurde den Franzosen der Weltmeistertitel 2011 aberkannt. Sie mussten die Goldmedaille an Euch abgeben. Was bedeutet dir der Titel?

Ich persönlich fühle mich nicht als Weltmeister 2011. Ich gewinne lieber auf der Bahn im direkten Vergleich als später am Tisch. Wir waren nun mal nicht das schnellste Team. Daran ändert auch die Disqualifikation des französischen Teams nichts. Aber unser Weltrekord im Dezember und der Weltcuperfolg zuletzt in London haben gezeigt, dass wir die derzeitige Nummer eins im Teamsprint sind. Und gerade auf der Olympia-Bahn sollte das doch ein Fingerzeig gewesen sein. Das wollen wir bei der Weltmeisterschaft in Melbourne jetzt nochmal unter Beweis stellen.

 

 

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