Deutsche Sporthilfe

„Das dickste Problem junger Hochleistungssportler besteht aus finanziellen Sorgen“

Frankfurt am Main, 29.09.2017 -

Timo Boll ist seit knapp zwei Jahrzehnten Deutschlands populärster Tischtennisspieler. Zu Beginn seiner Karriere stand wie bei vielen erfolgreichen Athleten die Auszeichnung zum „Juniorsportler des Jahres“. Im Sporthilfe-Interview spricht der 36-Jährige über die Bedeutung der Auszeichnung, die Nachwuchsarbeit in Deutschland und seine ungebrochen große Begeisterung für den Sport.

Timo Boll: seit zwei Jahrzehnten in der Weltspitze (Bild: picture alliance)

Timo Boll, 20 Jahre ist es nun her, dass Du zum Juniorsportler des Jahres gewählt wurdest. Mit 36 Jahren gibst du jetzt nochmal ein Interview zum Juniorsportler, fühlt man sich da wieder jung?

Wenn man seinen Sport liebt und noch mithalten kann, fragt man ohnehin nicht nach dem eigenen Alter. Die Begeisterung, die ich 1997 gefühlt habe, die habe ich immer noch in mir.

Was hat dir diese Auszeichnung damals, am Anfang Deiner erfolgreichen Karriere, bedeutet?

Es war schon der Eintritt in eine neue Welt. Plötzlich fand ich Beachtung, gewann an Respekt und tauchte in den Medien auf. Ich wurde zusammen mit Franziska van Almsick und Magdalene Breszka in das „Opel-Junior-Team“ aufgenommen, wo ich dann auch auf Hans Wilhelm Gäb traf. Der war damals Opel-Vorstand und Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes, später ja auch Chef der Sporthilfe. Er wurde mein Mentor und Ratgeber und ist heute noch eng an meiner Seite.

Mit 13 wurdest Du in die Förderung der Sporthilfe aufgenommen, mit 16 Juniorsportler des Jahres. Du warst zweifelsfrei ein großes Talent. Was hat bei Dir den Ausschlag gegeben, den Anschluss vom Juniorenbereich an die Weltspitze zu finden und Dich dort nun schon so lange zu halten?

Bei mir war es wesentlich die Freude am Spiel. Ich konnte nie genug davon kriegen. Und als sich das dann in besseren Leistungen niederschlug, wollte ich natürlich auch Titel holen und gewinnen.

In diesem Jahr ist die Wahl erstmals öffentlich. Auf www.juniorsportler-des-jahres.de kann jeder für seinen Favoriten abstimmen – hast Du schon gewählt?

Ja klar! Und ich hoffe, dass mein Kandidat am Ende vorn ist. Wer das ist, kann ich natürlich hier nicht verraten.

Welchen Tipp kannst Du den jungen, aufstrebenden Athleten mit auf den Weg geben?

Aus der Freude am eigenen Sport muss die Bereitschaft und Fähigkeit erwachsen, sich im Training auch zu quälen und über die Grenzen zu gehen.

 

Olympia 2016: Timo Boll jubelt, nachdem er das entscheidende Duell um Bronze mit der Mannschaft gewonnen hatte (Bild: picture alliance)

Wie siehst Du die Nachwuchsarbeit in Deutschland im Allgemeinen aufgestellt, wo siehst Du Verbesserungspotenzial?

Ich bin nicht Experte genug, ein generelles Urteil zu fällen, denn dafür kenne ich die einzelnen Verbände nicht gut genug. Ich weiß aber, dass das dickste Problem junger Hochleistungssportler aus finanziellen Sorgen besteht. Die Sporthilfe ist ja die einzige Organisation in Deutschland, die sich direkt um finanzielle Unterstützung einzelner Talente kümmert.

Und wie sieht es im Tischtennis aus? Wenn Du Deine Karriere einmal beenden solltest, hinterlässt Du riesige Fußstapfen.

Na ja, erst mal möchte ich ja bis Olympia 2020 in Tokio durchhalten. Und ich hoffe, dass dann neben Dima Ovtcharov noch andere junge Spieler die Fähigkeit entwickelt haben, in der Weltspitze mitzuhalten.


Zur Abstimmung zum Juniorsportler des Jahres 2017: www.juniorsportler-des-jahres.de

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