Die Onnens: Als Familie hoch hinaus

Die Diskuswerfer Robert und Christoph Harting sind nicht die einzigen deutschen Geschwister, die bei der Leichtathletik-EM in Berlin starten - bei den Hochspringern Imke und Eike Onnen geht es allerdings wesentlich harmonischer zu. Imke gibt mit 23 Jahren in Berlin ihr EM-Debüt und holt sich Tipps von Eike, 36 und vor zwei Jahren EM-Dritter. Im Doppelinterview sprechen sie über die familiäre Unterstützung und ihren gemeinsamen Olympiatraum.


Eike, Ende 2014 hättest Du Deine Laufbahn beinahe schon beendet, jetzt gehst Du gemeinsam mit Deiner jüngeren Schwester bei der EM an den Start. Hättest Du Dir das vor vier Jahren träumen lassen?

Eike: Wir hatten uns das irgendwann früher einmal vorgenommen, aber dass es jetzt klappt - nein, das ist im Nachhinein schon ein bisschen überraschend. Gerade auch wegen des großen Altersunterschieds. Das es jetzt doch noch funktioniert, ist wirklich schön.

Auch für Dich etwas Besonderes, Imke?

Imke: Auf jeden Fall. Es war ein großes Ziel und lange war nicht klar, ob Eike überhaupt weitermacht oder nicht - und auch, ob ich so schnell den Sprung schaffe. Dass es jetzt geklappt hat und dann auch noch in Berlin mit dem Heimpublikum im Rücken, ist super.

Eike Onnen bei der WM 2017 (Foto: picture alliance)

Siehst Du das Heimpublikum eher als Bürde oder als Vorteil?

Imke: Ich glaube, man muss für sich selbst einen Mittelweg finden. Die Atmosphäre kann einen im Moment sicherlich überwältigen, man muss sich auf sich selbst konzentrieren, um nicht abzudriften. Wir sind aber beide Menschen, die diese Unterstützung positiv aufnehmen und uns darüber freuen. Insofern kann das Heimpublikum möglicherweise beflügeln.

Eike, die Heim-WM 2009 in Berlin hast Du verpasst. Wie hast Du sie damals wahrgenommen?

Eike: Ich war damals zwei Tage als Zuschauer hier und habe die Wettbewerbe mitverfolgt, das war schon eine ganz tolle Stimmung und einige Athleten sind über sich hinausgewachsen. Robert Harting, Usain Bolt mit seinem Weltrekord ... Man darf sicher nicht übermotiviert sein, muss sich vielleicht selbst in seiner Euphorie etwas bremsen. Aber was gibt es Besseres, als wenn der Großteil der Zuschauer hinter einem steht?

Ist das für Dich nun Genugtuung, neun Jahre später doch noch bei einer internationalen Meisterschaft im Olympiastadion an den Start zu gehen?

Eike: Tatsächlich könnte man sagen, damit schließt sich gewissermaßen ein Kreis und ich höre jetzt auf. Wenn der Körper mitmacht, peile ich aber Tokio 2020 an.

Imke, Du bist während der WM 2009 gerade 15 geworden. Welche Erinnerungen hast Du noch an damals?

Imke: Ich kann mich noch sehr gut an Ariane Friedrich erinnern, die damals Silber im Hochsprung gewann. Das fand ich schon sehr bemerkenswert. Selbst war ich leider nicht vor Ort, habe aber die WM am Fernseher verfolgt. Das war auch ungefähr die Zeit, in der ich mich dazu entschieden habe, vom Tennis zum Hochsprung zu wechseln. Übrigens habe ich wegen meines Bruders damit angefangen.

Eike: Dass sie wegen mir zum Hochsprung gekommen, habe ich damals nicht so wahrgenommen, sondern erst später erfahren. Bei mir hat unsere Mutter und Trainerin Einfluss genommen, wegen ihr bin ich vom Fußball zur Leichtathletik gewechselt.

Eine gute Entscheidung. Bei der EM 2016 in Amsterdam wurdest Du Dritter.

Eike: Das ist richtig. Die Medaille ist natürlich noch im Hinterkopf und möglich ist sie auch diesmal wieder - aber es muss nicht unbedingt sein. Primäres Ziel ist es, erst einmal ins Finale einzuziehen.

In Amsterdam hast Du schon starke Nerven bewiesen. Gibt es den einen weisen Ratschlag, den Du jetzt deiner Schwester geben kannst?

Eike: Ich glaube am besten ist es, wenn man seine eigenen Erfahrungen macht. Pauschal kann man natürlich nicht sagen, dass sie mit einer bestimmten Situation genauso umgehen würde wie ich. Ob sie meine Ratschläge annimmt, muss Imke selbst entscheiden. In Amsterdam zum Beispiel habe ich mich gar nicht um die Höhen gekümmert, sondern geschaut, dass ich einfach weiterspringe, bis es nicht mehr geht. Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass es für Bronze reichte. Für mich ist es eine gute Methode, gar nicht zu wissen, wie hoch die Latte eigentlich liegt, sondern …

Imke: .. einfach nur sein Bestes zu geben. Und immer nur Vollgas.

Eike: Genau. Einfach nur springen, springen, springen, bis dann irgendwann leider das Ende erreicht ist. Aber ob das bei Dir genauso gut klappt, ist natürlich die Frage.

Bei der EM 2016 in Amsterdam gewann der Niedersachse Bronze (Foto: picture alliance)

Imke: Ich habe das so noch nie probiert, muss ich gestehen. Ich bin sehr auf die Höhe fixiert und motiviere mich dadurch sehr stark. Aber um noch mal auf die Erfahrungswerte zurückzukommen: Eike erzählt mir ja, wie alles abläuft – und alleine deswegen fühle ich ich schon gewappnet für die EM. Da bereitet er mich schon ganz gut vor. Am schönsten wäre es natürlich, wenn wir beide das Finale erreichen würden.

Imke Onnen

* 17. August 1994 in Langenhagen

Sporthilfe-gefördert seit 2013

Größte Erfolge: Deutsche Hallenmeisterin 2015, 2. Deutsche Meisterschaft 2018

Eike Onnen

* 3. August 1982 in Hannover

Sporthilfe-gefördert seit 2003

Größte Erfolge: EM-Bronze 2016, 10. Olympia 2018, 7. WM 2007

Dann auch bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio?

Eike: Rio waren meine ersten Olympischen Spiele und das war schon ein riesen Ereignis und eine tolle Erfahrung. Allein schon die Kantine im Olympischen Dorf ist unglaublich.

Imke: Das wäre schon ein Träumchen für uns, wenn wir da beide stehen würden, oder?

Eike: Wäre schon cool. Ich werde versuchen, noch so lange leistungsfähig zu sein.

Imke: Und ich, bis dahin noch besser zu werden und die Qualifikation für Olympia zu schaffen.

 

(veröffentlicht am 08.08.2018)

Imke Onnen freut sich über die EM-Norm (Foto: picture alliance)


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