Früher an später denken

Florian Breuer ist eines der größten deutschen Talente im Kanuslalom - nur auf seine Fahrten im Eiskanal will sich der 21-jährige Wahl-Augsburger aber nicht verlassen und arbeitet daher eifrig an der Karriere neben der Karriere.


Der erste Schritt im neuen Leben von Florian Breuer kostete kaum mehr als ein Paar seiner Lieblingssneaker, die der 21-Jährige gleich in sechsfacher Ausführung im Schrank hat. Er ist aber sehr viel nachhaltiger: 60 Euro investierte der Kanuslalom-Fahrer in die Anmeldung seines eigenen Unternehmens mit dem Namen "FlorianBreuer-Canoeslalom". Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Sponsoren-Akquise und -Pflege, Buchhaltung – inzwischen Alltag für den jungen Sportler, der nun sein eigener Manager ist und seine Karriere im Augsburger Eiskanal damit gewissermaßen in sicherere Gewässer fährt.

Erst Anfang des Jahres schloss Breuer erfolgreich seine Ausbildung zum bayerischen Polizeioberwachtmeister ab, arbeitet nun acht Wochen im Jahr in seiner Dienststelle. Parallel hat er den Schritt von den Junioren, bei denen er mit je einmal Gold und Bronze bei der U23-WM einer der herausragenden Athleten der letzten Jahre war, zu den Herren gewagt. Doch dass das auch für die besten Nachwuchskräfte ein schwieriges Unterfangen ist, bekommt der Wahl-Augsburger in dieser Saison zu spüren. Die angepeilte Qualifikation für den A-Kader hat er knapp verpasst, er startet 2018 für ein weiteres Jahr bei der U23.

Als erster deutscher Kanuslalom-Fahrer holte Breuer zwei U23-WM-Medaillen hintereinander - dieses Jahr will er den Hattrick perfekt machen (Bild: Alexander Funk)

Das Sporthilfe-Netzwerk nutzen

Was Breuer in diesem Frühjahr gelernt hat: Bei den Aktiven ist noch mehr Konstanz und Professionalität gefragt. Das gilt auch für das eigene Unternehmen. Breuer holt sich deswegen in vielerlei Fragen Unterstützung, auch bei seiner neuen Selbständigkeit. Die Pressemitteilungen, die er regelmäßig in eigener Sache herausgibt, stimmt er zum Beispiel mit Dirk Metz ab, früher Sprecher der Hessischen Landesregierung, heute selbständiger Kommunikationsberater in Frankfurt.

"Ich habe schon früh gemerkt: Nur über Kontakte geht es voran", sagt Breuer, der so viele Möglichkeiten wie möglich nutzt, um sein Netzwerk zu erweitern – etwa die Angebote der Deutschen Sporthilfe, von der er seit 2012 gefördert wird, aktuell im Top-Team Future. Kommunikationsprofi Dirk Metz lernte er beim 40. Sporthilfe Elite-Forum vergangenen Herbst kennen. Dort knüpfte er auch Kontakt zu Ski-Legende Christian Neureuther, die beiden stehen seitdem ab und an im telefonischen Austausch. Seitdem hat Breuer Blut geleckt.

Seine Bewerbungsunterlagen für das Mentorenprogramm der Sporthilfe hat er schon beim Sporthilfe Elite-Forum am Comer See eingereicht, zudem versucht er, an so vielen Events wie möglich teilzunehmen. Der frischgebackene Polizist schätzt die vielfältigen Chancen, die ihm als geförderter Athlet zur Verfügung stehen:

Für mich ist die Sporthilfe nicht bloß Geldgeber, sondern eine Plattform, um Kontakte zu knüpfen und mehr aus der Zeit als aktiver Sportler herauszuholen.

Athleten selbst in der Pflicht

Trotz seiner jungen Jahre verfolgt Breuer, Jahrgang 1997, damit eine heute nicht mehr ganz so populäre Maxime: Früher an später denken. Was für die Generation Y vielleicht spießig klingen mag, ist für den Kanuslalom-Hoffnungsträger zur Lebenseinstellung geworden. Er sieht die Athleten selbst in der Pflicht, sich um ihr persönliches Wohlergehen nach der sportlichen Laufbahn zu sorgen. „Man darf nicht erwarten, dass einem etwas zufliegt“, sagt der Kanute, der 2014 unter den Finalisten für den Titel Juniorensportler des Jahres stand. Er selbst stecke so viel Energie in seinen Sport, „da möchte ich auch etwas zurückbekommen“.

Das bedeutet zwar häufig Verzicht, für den gebürtigen Nordrhein-Westfalen aber auch ein Stück weit Erfüllung: Es ist ihm wichtig, über den Tellerrand hinaus zu blicken. Neben seinem Dienst bei der bayerischen Landespolizei arbeitet Breuer als Personal Trainer, hält zudem Vorträge über Leistungssport.

Florian Breuer in Aktion: Der 21-Jährige trainiert seit 2010 im Eiskanal von Augsburg, aktuell wieder für den Augsburger-Kajak-Verein (Bild: privat)

Darüber hinaus versteht es der Athlet gut, sich trotz der medialen Nische seiner Sportart selbst zu vermarkten. Etwa, indem er seine Profile bei Facebook und vor allem bei Instagram regelmäßig und mit qualitativ hochwertigem Content bespielt. Er will den Usern so einen ungefilterten Blick hinter die Kulissen seines Alltags als Spitzensportler geben und positioniert sich parallel als Lifestyle-Influencer. Seine Hobbys jedenfalls sind durchaus Social-Media-tauglich: Neben dem Reisen - in diesem Jahr will Breuer noch Südafrika besuchen - gehören Fotografie und Mode dazu.

Das Fundament ist gelegt

Auch damit denkt Breuer vor allem an die Zukunft: Die Follower bei Facebook und Instagram sieht er als Ausgangsbasis, falls irgendwann der ganz große sportliche Erfolg eintritt – vielleicht schon bei Olympia 2020 in Tokio? Der Weg dorthin ist allerdings noch weit, das zeigten die nationalen Qualifikationsrennen Anfang Mai. "Letztlich etwas enttäuschend", seien diese verlaufen, findet Breuer. Die Resultate waren auch Folge einer Krankheit, die die Ärzte erst im Nachhinein diagnostizierten und die Breuer die Teilnahme an der U23-WM in Italien kostet. Sein Blick geht aber schnell wieder nach vorn. Und falls der Erfolg doch noch auf sich warten lassen sollte, hat Florian Breuer mit der Anmeldung seines eigenen Unternehmens mehr als nur ein solides Fundament für die Zukunft gelegt – auf das siebte Paar der geliebten Sneaker kann er gut verzichten.

Breuer beim Trainingslager im italienischen Ivrea, wo dieses Jahr die U23-WM stattfindet. Bilder wie dieses veröffentlicht er auf seinem Instagram-Kanal (Bild: Alexander Funk)

(veröffentlicht am 08. Juni 2018)



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