Konzentriert wie beim Freiwurf

Martin Fleig gewann bei den Paralympics Gold im Biathlon über 15 Kilometer. Vor dem paralympischen Aktionstag der Deutschen Telekom und dem Besuch des Spiels der Telekom Baskets Bonn gegen Alba Berlin am 8. April spricht der 28-Jährige im Sporthilfe-Interview über seine Zeit nach dem Triumph, den „Männerfluch“ bei den Paralympics und Ähnlichkeiten zwischen Basketball-Freiwürfen und dem Schießen beim Biathlon.


Martin, unmittelbar nach Deinem Sieg in Pyeongchang fehlten Dir noch die Worte, um das Rennen zu beschreiben. Wie sieht das nun mit etwas Abstand aus?

Martin Fleig: „Seit meiner Rückkehr nach Deutschland habe ich vor allem erst einmal körperlich entspannt und außer ein wenig Krafttraining nicht viel gemacht. Das hat mir die nötige Zeit gegeben, um viel und in Ruhe über den 16. März nachzudenken, alles noch einmal Revue passieren zu lassen. Es war einfach der perfekte Tag, an dem unheimlich viel für mich gepasst hat und idealerweise zusammengekommen ist. In der unmittelbaren Phase des Rennens war ich unheimlich fokussiert, wobei mir die äußeren Umstände zusätzlich in die Karten gespielt haben. An den Vortagen war es verhältnismäßig heiß, genau das war bei meinem Rennen nicht mehr der Fall. Wir hatten fast schon winterliches Wetter, zwischendurch fiel gar ein wenig Schnee – solche Bedingungen mag ich einfach.“

Rund um die Spiele war immer von dem „Männerfluch“ zu lesen, den Du erfolgreich gebrochen hast. Inwiefern hat das vorab den auf Dir lastenden Druck noch erhöht?

„Tatsächlich gar nicht. Von diesem „Fluch“ wusste ich überhaupt nichts, bis mir jemand sagte, dass seit 2010 kein Deutscher eine paralympische Medaille gewinnen konnte – wobei die Formulierung meiner Meinung nach überzogen ist. Wenn die Konkurrenz extrem stark ist, musst du eben einen sehr guten Tag erwischen und alles richtig machen. Das gilt sowohl für den Männer- als auch den Frauenbereich, zeigt aber gleichzeitig auch wie saustark unsere Mädels seit Jahren sind.

Basketballer behelfen sich mit Routinen und Ritualen, um beispielsweise beim Freiwurf den Puls runter zu bekommen. Gibt es bei Dir etwas vergleichbares, wenn Du am Schießstand bist?

(lacht) „Auf jeden Fall. Mit der Zeit haben sich meine Automatismen so extrem eingeschliffen, dass ich in vielen Fällen später gar nicht mehr weiß, was um mich herum passiert ist. Am Schießstand selbst ist der Kniff, den Kopf möglichst so frei zu kriegen, dass du an gar nichts denkst und die Schüsse wie automatisiert abfeuerst. Ganz wichtig ist aber im Vorfeld, sich auf der Strecke einen Punkt zu suchen, ab dem du verstärkt auf deine Atmung achtest, ab dem du deine Lunge ruhiger und tiefer mit Luft füllst. Da gilt es eine kritische Waage zu finden, damit du nicht zu viel Schwung verlierst. Das Ziel ist es, diesen Punkt durchs Training so nah wie möglich an den Schießstand heran zu rücken, damit du auf der Strecke noch mehr Gas geben kannst.“

Wie sehr spielt das Scouting des Terrains und der Konkurrenz in Deiner Vorbereitung auf ein Rennen eine Rolle?

„Das ist definitiv ein wichtiger Faktor, den du berücksichtigen musst. Über die vielen Weltcup-Rennen lernst du die Stärken und Schwächen der anderen Athleten ganz gut kennen – und sie deine. Das gilt es auf dem Schirm zu haben, denn so kannst du dich auf einen eventuellen Konter besser einstellen oder selbst an gewissen Stellen attackieren und den Druck erhöhen. (lacht) Zu meinem Leidwesen sind meine härtesten Konkurrenten allesamt starke Techniker, die gerade in den steilen Passagen ordentlich Gas geben, während ich bei Abfahrten sicherlich noch Potenzial habe.“

Mit Deinen 28 Lenzen gehörst Du zu den „alten Hasen“, befindest Dich seit nunmehr zwölf Jahren in der Förderung der Deutschen Sporthilfe. Wie hat sich die Beziehung zwischen der Sporthilfe und Dir im Laufe dieser langen Zeit entwickelt?

„Ich erinnere mich, dass der erste Kontakt zur Sporthilfe seinerzeit über den Olympiastützpunkt in Freiburg kam. Gerade als junger Athlet gibt dir die gebotene Unterstützung und Hilfe bei der Karriereplanung einen enormen Schub. Die Bindung sowie der Austausch sind sehr intensiv, was vor allem den Sportlern dabei hilft, auch mal über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken. Es gibt spezielle Angebote für duale Bildungswege und einen sehr gut aufbereiteten Newsletter, durch den du mit Infos über die anderem im Programm befindlichen Sportler versorgt wirst.“


Martin Fleig

* 15.10.1989 in Freiburg

Größte Erfolge:
Paralympicssieger 2018
zweifacher Weltmeister 2017
dreifacher WM-Dritter (2015 und 2017)

Sporthilfe-gefördert seit 2006
aktuell im Top-Team Behindertensport



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