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Frankfurt am Main, 09.08.2018

Ex-Weltmeisterin Steffi Nerius: "Gold, Silber und Bronze im Speerwurf sind möglich"

Bei der Heim-WM 2009 im Berliner Olympiastadion feierte Speerwerferin Steffi Nerius mit dem Titel einen goldenen Abschluss ihrer Karriere. Im Sporthilfe-Interview wähnt die 47-Jährige das deutsche Team bei der aktuell laufenden Europameisterschaft in Berlin auf einem guten Weg - vor allem in ihrer Disziplin Speerwurf. Für die starken deutschen Männer um Olympiasieger Thomas Röhler und Weltmeister Johannes Vetter sei sogar ein kompletter Medaillensatz möglich. Nerius warnt aber auch davor, bei einem schlechteren Abschneiden von einer Enttäuschung zu sprechen.

Steffi, die Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin laufen bereits. Bei der WM 2009 hast Du an gleicher Stelle Gold im Speerwurf geholt – was bedeuten Meisterschaften im eigenen Land für die Athleten?

Das ist auf jeden Fall etwas ganz Besonderes. Das Publikum im Rücken kann einen Sportler pushen und beflügeln – aber es gibt auch Beispiele, bei denen der vermeintliche Heimvorteil Athleten lähmt oder sogar erdrückt, wenn sie darauf nicht richtig darauf vorbereitet sind. Ein Heimspiel ist immer eine Chance, aber auch eine mentale Höchstleistung.

Das deutsche Team bestreitet die Leichtathletik-EM in Berlin mit großen Ambitionen. Erwartet uns ein Medaillenregen?

Es ist eine Europa- und keine Weltmeisterschaft, insofern kann man sicher mit einigen Medaillen rechnen. Im deutschen Team gibt es eine gesunde Mischung aus erfahrenen Athleten, die ihre Höchstleistung abrufen werden, und aus jungen Athleten, die womöglich über sich hinauswachsen. Wir werden in Berlin sicherlich viele tolle Leistungen sehen.

Gerade in Deiner Disziplin, dem Speerwerfen, scheint Deutschland mit Thomas Röhler, Johannes Vetter und Andreas Hoffmann auf Medaillen abonniert zu sein. Was traust Du dem Trio zu?

Natürlich erwartet jeder mindestens eine deutsche Medaille. Ich bin mir auch recht sicher, dass einer der drei durchkommt und den Titel holt. Aber die Erwartungen sind natürlich riesig und die Konkurrenz in Europa durchaus stark, etwa mit dem Esten Magnus Kirt und dem Tschechen Jakub Vadlejch. Beim Saisonhöhepunkt gibt es immer auch Athleten, die über sich hinauswachsen, und andere, die am Ende etwas übersteuern und enttäuschen.

Hältst Du einen kompletten deutschen Medaillensatz für möglich? Immerhin vereinen die drei Deutschen in diesem Jahr die neun weitesten Würfe weltweit auf sich.

Vieles ist möglich – natürlich auch, dass für die Deutschen perfekt läuft und sie Gold, Silber und Bronze gewinnen. Alle drei sind auf jeden Fall gut drauf. Aber wenn es am Ende „nur“ eine oder zwei Medaillen werden sollten, darf man sich auch über das Abschneiden freuen.

Die ehemalige Speerwerferin Steffi Nerius wurde 18 Jahre lang (1991 bis 2009) von der Deutschen Sporthilfe gefördert. Während dieser Zeit gewann sie u.a. bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen die Silbermedaille und wurde 2006 in Göteborg Europameisterin. 2009 beendete sie ihre Karriere mit dem Titelgewinn bei der Heim-WM in Berlin, anschließend wurde sie von Deutschlands Top-Athleten zum "Champion des Jahres" und von Deutschlands Sportjournalisten zur "Sportlerin des Jahres" gewählt. Seit 2010 gehört Nerius dem Gutachterausschuss der Deutschen Sporthilfe an, einem ehrenamtlichen Gremium, das einmal im Monat über die Förderungsmaßnahmen der Sporthilfe berät und in Abstimmung mit dem Vorstand beschließt. Aktuell arbeitet sie als Trainerin beim Leichtathletik-Verein TSV Bayer 04 Leverkusen und leitet dort auch das Sportinternat.


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Pressekontakt

Stiftung Deutsche Sporthilfe
Florian Dubbel

Tel.069 / 67803 - 500
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