Laura Lindemann - Triathlon
Frankfurt am Main/Bonn, 06.10.2016

Laura Lindemann: „Seit dem Zieleinlauf von Rio schaue ich Richtung Tokio“

Rio-Nominierungs-Drama, Brief an die Kanzlerin, Olympia-Teilnahme und U23-WM-Titel / Juniorsportlerin des Jahres 2015 über ihre Saison und die Situation im deutschen Triathlon

Am 7. Oktober feiert die Deutsche Sporthilfe im Pantheon Theater Halle Beuel in Bonn die Newcomer des deutschen Sports und ehrt in Kooperation mit der Deutschen Post herausragende Nachwuchsathleten mit der Auszeichnung „Juniorsportler des Jahres“. Wir haben mit der Juniorsportlerin des Jahres 2015, Laura Lindemann, über zwölf turbulente Monate gesprochen.

Du wurdest 2015 als Juniorsportlerin des Jahres ausgezeichnet. Hat die Auszeichnung dir viel Aufmerksamkeit gebracht?

Laura Lindemann: Ja, vor allem in den Sozialen Netzwerken und am Stützpunkt bei mir zuhause bekam ich dadurch viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Juniorsportlerin des Jahres zu werden war eine schöne Auszeichnung und hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt.

Seitdem hast du viel erlebt: Rio-Nominierungs-Drama, ein Brief an die Kanzlerin, schließlich deine erste Olympia-Teilnahme und jüngst der WM-Titel im U23-Bereich. Was war in den letzten zwölf Monaten dein persönliches Highlight?

LL: In den letzten zwölf Monaten ist wirklich sehr viel passiert. Rio war auf jeden Fall ein Highlight für mich. Es ist der Traum jedes Sportlers, mal zu den Olympischen Spielen zu fahren. Dass es jetzt schon so früh geklappt hat, da ist natürlich ein Traum in Erfüllung gegangen. Trotz des ganzen Hin und Hers davor war es eine schöne Erfahrung. Mit dem Ergebnis von Rio bin ich nicht so zufrieden, aber die Erfahrung wird mir in Zukunft helfen. Die U23-WM war dann der krönende Abschluss der Saison und das schönste Erlebnis.

Nochmal zurück zum Brief an die Kanzlerin, den du geschrieben hast, weil zunächst nur eine einzige Triathletin für Deutschland in Rio starten sollte, nämlich Anne Haug und deine Nominierung zu scheitern schien: Hast du eigentlich eine Antwort bekommen?

LL: Es ging mir ja nicht so direkt um eine Antwort sondern vielmehr darum, einfach etwas zu tun und nicht alles geschehen zu lassen. Die Kanzlerin und der Bundesinnenminister (an den habe ich den Brief ja auch geschickt) haben natürlich Wichtigeres zu tun. Eine Antwort habe ich jeweils von einem Sachbearbeiter bekommen, die mich aber auf die Autonomie des Sports hingewiesen haben.

Du bist im Nachwuchsbereich erfolgreich wie nie eine deutsche Athletin zuvor und auch hinter dir sowie bei den Junioren findet man mit Lisa Tertsch, Lena Meißner und Lasse Lührs regelmäßig Deutsche vorne in den Ergebnislisten. Wächst da in Deutschland eine goldene Triathlon-Generation heran?

LL: Im Nachwuchs waren die deutschen Athleten oft erfolgreich. Nicht jedes Jahr, aber schon sehr häufig. Im Nachwuchs haben wir den Dreh raus vor allem Schule und Sport zu verbinden. Das ist noch relativ einfach, aber sobald es in Richtung Ausbildung geht, scheiden sich die Wege bei manchen.

Während Deutschland im Nachwuchsbereich so erfolgreich ist wie nie, ist die Elite weiter denn je von der Weltspitze entfernt. Wie schwer ist es den Anschluss vom Nachwuchs- in den Elite-Bereich zu finden?

LL: Im Moment ist es noch relativ einfach für mich, weil ich immer noch in der Schule bin. Ich habe durch mein gestrecktes Abitur weniger Schule und kann den Sport vollkommen ausleben, so wie ich es will. Das ist für mich momentan eine optimale Situation. Nach der Schule möchte ich zur Sportfördergruppe der Polizei in Potsdam gehen. Das ist für mich der idaele Weg, aber ich kann auch verstehen, dass das nicht jeder möchte.

Wie siehst du Deutschland im Vergleich zu den führenden Triathlon-Nationen aufgestellt? Woran fehlt es, um an Länder wie Frankreich, England oder Spanien heranzukommen?

LL: Das weiß ich natürlich nicht zu 100 %, aber was ich merke ist: Ich trainiere im Moment getrennt von der Elite in Potsdam, viele sind in Saarbrücken, manche in internationalen Trainingsgruppen. Die internationalen Trainingsgruppen sind zwar eine gute Alternative, aber wenn wir zusammen in ein Trainingslager fahren, wird das problematisch, weil jeder einen anderen Trainingsplan hat. Die Trainingsinhalte überschneiden sich zwar, aber dennoch hat jeder andere Akzente und es ziehen nicht alle an einem Strang. Das ist schwierig. Jeder hat einen anderen Trainer und jeder Trainer eine andere Philosophie. Klar, es gibt nicht den einen goldenen Weg zum Ziel. Aber es ist viel motivierender mit einer großen Gruppe zusammen zu trainieren und sich gegenseitig zu pushen. Diese Dichte an Top-Athleten, die an einem Ort zusammen trainieren, das fehlt in Deutschland.

Und das ist in anderen erfolgreichen Nationen besser?

LL: Die meisten erfolgreichen Athleten trainieren in internationalen Trainingsgruppen. Da trainieren alle die gleichen Trainingsinhalte, natürlich individuell leicht angepasst. Aber alle gehen zusammen Radfahren, zusammen Schwimmen, zusammen Laufen. Das läuft sehr gut. Es waren auch zwei Deutsche in einem dieser internationalen Trainingssquads und die haben erzählt, dass es eine ganz andere Motivation ist, wenn alle das Gleiche machen und das kann ich mir auch gut vorstellen.

Kommt es denn auch für dich in Frage, dich einer dieser Gruppen anzuschließen?

LL: Prinzipiell kann ich mir das schon vorstellen. Allerdings sind die wirklich das ganze Jahr zusammen, reisen quasi von Trainingslager zu Trainingslager. Mir ist es lieber meinen Stützpunkt und mein Umfeld hier in Potsdam zu haben, jedoch ins Trainingslager mit anderen zu fahren, was dann wieder neue Reize setzt und auch sehr motivierend ist.

Was sind eigentlich deine nächsten Ziele? Blickst du schon Richtung Tokio?

LL: Ja, auf jeden Fall. Seit dem Zieleinlauf von Rio schaue ich Richtung Tokio. Das ist mein nächstes großes Ziel. Nächstes Jahr will ich, sofern ich gut durch den Winter komme und verletzungsfrei bleibe, voll in die Elite einsteigen, und dort auch mal eine Podestplatzierung erreichen.

 

Die Potsdamer Triathletin ist zweifache Junioren-Weltmeisterin sowie amtierende U23-Weltmeisterin und nahm 2016 in Rio an ihren ersten Olympischen Spielen teil. Für ihre herausragenden Erfolge im Nachwuchsbereich wurde die 20-Jährige von der Deutschen Sporthilfe im vergangenen Jahr als „Juniorsportlerin des Jahres“ ausgezeichnet. Die Deutsche Sporthilfe ehrt mit der höchsten Auszeichnung im deutschen Nachwuchssport seit 38 Jahren Talente, von denen sich viele zu internationalen Größen in ihrer Disziplin entwickelt haben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Persönlichkeiten wie Michael Groß (1981), Franziska van Almsick (1992), Timo Boll (1997), Maria Höfl-Riesch (2004), Magdalena Neuner (2007/2008) und Laura Dahlmeier (2013).

Die Juniorsportler des Jahres 2016 werden am morgigen Freitag (7. Oktober) in Bonn geehrt. Eingebettet in die Ehrung ist die feierliche Verabschiedung zahlreicher Top-Athleten, die ihre Karrieren in der letzten Zeit beendet haben. Sie werden unter dem Titel „Danke 2016“ von der Deutschen Sporthilfe im Rahmen der Party in Bonn noch einmal für ihre Leistungen gewürdigt. Die Bundesliga-Stiftung engagiert sich in diesem Jahr erstmalig für die Veranstaltung und begleitet die Athletenverabschiedung. Erwartet werden rund 500 Gäste aus Sport, Politik und Wirtschaft, für die der Nationale Förderer Mercedes-Benz den exklusiven Fahrservice stellen wird. Die Deutsche Post unterstützt die Talente als Nationaler Förderer der Sporthilfe mit dem Programm „Deutsche Post Nachwuchsförderung“.


Artikel drucken
Drucken
Pressekontakt

Stiftung Deutsche Sporthilfe
Markus Respondek

Tel.069 / 67803 – 515
Mailmarkus.respondek@sporthilfe.de


Immer auf dem Laufenden bleiben?

Per Mail

 

Unsere Nationalen Förderer