Kanutin Franziska John: Mit Vollgas Richtung Tokio

Vier olympische Medaillen hat Franziska John, geborene Weber, schon zuhause. Tokio 2020 werden voraussichtlich ihre dritten Olympischen Spiele sein - und zum dritten Mal erhält sie im Vorfeld die ElitePlus-Förderung von Sporthilfe und PwC.


Wer Franziska John, geborene Weber, eine E-Mail schreibt, kommt an ihrem bislang größten sportlichen Erfolg nicht vorbei: In ihrer Mail-Adresse versteckt sich der Olympiasieg von London 2012, gemeinsam mit Tina Dietze gewann sie damals im Kajak-Zweier über 500 Meter Gold. Und weil „gefühlt jede Zweite Franziska Weber heißt“ und sie irgendwann keine Lust mehr auf Unterstriche, Zahlenkombinationen oder Pseudonyme hatte, legte sie die Adresse an. „Einfach aus Spaß“, lacht die 30-Jährige. Dabei ist es bis heute geblieben.

Mittlerweile steht Franziska John, wie sie seit ihrer Hochzeit im vergangenen Jahr heißt, bei insgesamt vier olympischen Medaillen – zur einen goldenen gesellten sich in London und 2016 in Rio drei silberne. Keine schlechte Ausbeute für zwei Olympische Spiele, die für die Athletin nicht unterschiedlicher hätten sein können. In London waren die Kanuten in einem eigenen Lager untergebracht, etwas ab vom Schuss und weit weg vom Trubel im Olympischen Dorf. „Das war zwar anfangs ein bisschen schade, hat aber auch dafür gesorgt, dass wir den Kopf fürs Wesentliche frei hatten“, sagt John. In Brasilien erlebte sie dann das komplette Gegenteil: „Bei der zweiten Teilnahme hatte ich aber auch schon etwas mehr Routine und kannte mehr Leute, daher war das Olympische Dorf in Rio auch sehr schön.“

Wie die Unterbringungssituation in Tokio aussehen wird, damit hat sich John noch nicht beschäftigt. Zu allererst steht die Qualifikation für ihre dritten Spiele im Fokus, zum dritten Mal wird sie in der Vorbereitung mit der ElitePlus-Förderung der Sporthilfe unterstützt. In dieser höchsten Förderstufe erhalten Medaillenaspiranten ohne Sportförderstellen bei Bundeswehr, Zoll oder Polizei zusätzlich zu ihrer regulären Förderung 1.000 Euro monatlich. John sagt:

Gemeinsam mit Tina Dietze (l.) holte Franziska John 2012 Gold im K2 über 500 Meter (Foto: picture alliance)

„Bereits zum dritten Mal zu diesem Kreis zu gehören, das ist etwas ganz Besonderes. Zudem ist es auch eine finanzielle Erleichterung. Ich kann mich so optimal auf die Spiele vorbereiten.“

Der deutsche K4 mit Sabrina Hering, Pradler, Franziska John, Caroline Arft und Tina Dietze (v.l., Foto: picture alliance)

Zur Vorbereitung auf die Spiele von Rio de Janeiro gehörte 2016 übrigens ein musikalischer Part. Gemeinsam mit dem Sänger Simon Goodlife nahm die deutsche Kanu-Mannschaft den Song „RIOlympia“ auf. Ein Lied mit Ohrwurmcharakter und auch für den Teamgeist damals eine gute Sache. Gibt es vor Tokio Pläne für eine Fortsetzung? „Bislang noch nicht, aber wer weiß“, orakelt John, die in Potsdam Bauingenieurwesen studiert, und lacht. Zu ihrem Junggesellinnenabschied vergangenen Herbst ging es zumindest schon einmal spaßeshalber ins Tonstudio. Die obligatorischen Flitterwochen fielen hingegen spärlich aus, auch wegen einer anstehenden Klausur und dem Beginn des neuen Semesters. Dafür will sich das junge Ehepaar John erst nach den Olympischen Spielen in Tokio ausführlich Zeit nehmen. Die Hotelreservierung erfolgt dann vielleicht mit einer neuen Mail-Adresse – die entsprechenden Varianten für eine zweite olympische Goldmedaille sind bei den meisten E-Mail-Providern jedenfalls noch frei.

(Veröffentlicht am 15.08.2019)



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