
U23-Weltmeisterin, U23‑Europameisterin und ein erfolgreich abgeschlossenes juristisches Hauptstudium: Katharina Schwachhofer blickt auf ein außergewöhnliches Jahr zurück – sportlich wie akademisch. Im Interview spricht die Seglerin über die Balance zwischen Spitzensport und Studium, den Umgang mit Rückschlägen, mentalen Herausforderungen und den Traum von einer Teilnahme bei den Olympischen Spielen 2028.
Katharina, du bist gemeinsam mit Elena Stoltze U23-Welt- und Europameisterin geworden. Wie blickst du auf dieses Jahr zurück?
Es war das erfolgreichste und zugleich anspruchsvollste Jahr meiner sportlichen Laufbahn. Wir haben die Saison auf Platz zehn der Worldcup-Rangliste beendet und zwei große internationale Titel gewonnen. Gleichzeitig habe ich mein Jurastudium erfolgreich vorangebracht: Ich konnte mein Hauptstudium in Regelstudienzeit und mit einem Schnitt von über 10 Punkten abschließen. Die Kombination aus Profisport und Studium hat mich aber auch stark gefordert. Viel Schlaf habe ich das letzte Jahr nicht abbekommen.
Was macht die Verbindung von Segeln und Jurastudium so schwierig?
Segeln erfordert unglaublich viele Auslandstage, während das Jurastudium eigentlich auf Präsenz ausgelegt ist. Vor jedem Semester musste ich zahlreiche Dozenten anschreiben, um überhaupt Veranstaltungen besuchen zu können, bei denen meine sportbedingten Fehlzeiten akzeptiert wurden. Oft hatte ich nur eine einzige Möglichkeit und konnte meine Kurse deshalb nicht nach Interesse auswählen. Das war organisatorisch sehr anstrengend.


Was hast du aus dieser Zeit mitgenommen?
Ich habe gelernt, meine eigenen Belastungsgrenzen bewusster wahrzunehmen und anders mit Rückschlägen umzugehen. Heute bedeutet es mir viel, meinen Weg im Sport und Studium mit Überzeugung weiterzugehen.
Darüber hinaus habe ich mich im vergangenen Jahr zunehmend mit den Strukturen und Rahmenbedingungen beschäftigt, die meinen Sport prägen. Dabei sind für mich insbesondere die Gewaltprävention und die Rolle von Frauen im Leistungssport zu zentralen Themen geworden. Mir ist immer bewusster geworden, wie stark sportliche Entwicklung nicht nur von der eigenen Leistung, sondern auch von den Menschen, Abhängigkeiten und Strukturen im Umfeld beeinflusst wird. Gerade im Leistungssport bestehen Machtgefälle, die einen offenen Umgang mit Problemen erschweren können. Gleichzeitig beschäftigen mich die unterschiedlichen Voraussetzungen und Erwartungen, mit denen Frauen im Spitzensport konfrontiert sind. Daher ist es ein besonderes Anliegen, dass der Leistungssport in Zukunft ein sicheres, respektvolles und chancengerechtes Umfeld bietet.

Welche Bedeutung hätte die Auszeichnung zur Sport-Stipendiatin des Jahres für dich?
Das Deutsche Bank Sport-Stipendium würde es mir ermöglichen, meinen Sport und das anspruchsvolle Studium weiter in der Intensität zu verfolgen und mich meinem Traum von Olympia 2028 ein riesiges Stück näherbringen.