Zwischen Dolomitenpanorama und schwierigen Pisten: Ein Tag bei den Paralympics in Cortina

Hoch über dem Tal schwebend öffnet sich der Blick auf die schneebedeckten Dolomiten rund um Cortina – eine Kulisse, die kaum besser zu den Paralympischen Spielen passen könnte. Der Weg zur Wettkampfstätte der Para-Ski alpin-Wettbewerbe führt zunächst mit dem Shuttle und anschließend in einer Gondel hinauf in die Berge. Oben angekommen geht es zu Fuß weiter. Ein kurzer Weg über den nächsten Hügel – und schon liegt die Zieleinfahrt der Para-Ski alpin-Athletinnen und -Athleten vor uns. Dort, wo Sekunden entscheiden und Emotionen besonders greifbar sind. Auf der voll besetzten Tribüne herrscht ausgelassene Stimmung. Immer wieder sorgen Dance Breaks für Bewegung im Publikum, zwischendurch wird Karaoke angestimmt. Die Zuschauerinnen und Zuschauer singen, tanzen und lachen – ihre Einlagen werden auf den großen Screens übertragen. 

Etwas weiter den Berg hinunter finden die Para-Snowboard-Wettbewerbe statt. Diese waren ursprünglich erst für Samstag geplant, wurden jedoch einen Tag zuvor kurzfristig vorverlegt. Die Para-Snowboarder zeigen sich durchaus enttäuscht über die kurzfristige Änderung. Die Befürchtung: Aus anderen Nationen könnten dadurch viele Fans nicht anreisen, die ursprünglich erst am Freitagabend kommen wollten, um ihre Athletinnen und Athleten anzufeuern. „Ich wäre auch bei Regen oder Hagel gefahren, wenn dadurch einfach mehr Leute hätten dabei sein können und auch andere Nationen da gewesen wären“, sagt der deutsche Para-Snowboarder Christian Schmiedt, Mitglied im Top-Team der Sporthilfe. Der einzige qualifizierte Para-Snowboarder für Deutschland wollte seine Karriere eigentlich schon beenden, „aber dann hätte ich Angst, dass meine Sportart in Deutschland komplett ausstirbt.“  

Zuschauerinnen und Zuschauer müssen sich durch den löchrigen Schnee zu Punkten entlang der Strecke vorkämpfen, von denen sie die Para-Snowboard-Rennen verfolgen können. Eine Tribüne? Fehlanzeige. Ältere Menschen sieht man kaum – der Weg ist schlicht zu beschwerlich. „Barrierefrei ist das nicht, wenn man mal ehrlich ist“, kommentiert Christian Schmiedt. Das Wetter meint es dafür fast entschuldigend gut mit den startenden Spitzensportlerinnen und -sportlern, die Sonne strahlt auf die Strecke. Christian Schmiedt belegt am Ende den zehnten Platz im Banked Slalom und ist beeindruckt, wie viele Leute beim Wettbewerb dann doch vor Ort fahren: „Das kenne ich so gar nicht.“ 

Zurück zum Para-Ski Alpin: Gar nicht glücklich sind Alex Rauen und Guide Jeremias Wilke mit den Pistenverhältnissen. Und tatsächlich sind an diesem Tag besonders viele Stürze zu verzeichnen. Insgesamt kommen 15 Monoskifahrer nicht ins Ziel. Auch Grisu Glötzner stürzt – genau wie die beiden einbeinigen Skifahrer vor ihm – auf der zunehmend buckligen Piste und scheidet aus. Alex Rauen und sein Guide Jeremias Wilke fahren ins Ziel und belegen am Ende Platz elf.

Kurz darauf die nächste Nachricht: Bronze für Marco Maier in Tesero. Im deutschen Team bricht Jubel aus. Ein Tag bei den Paralympischen Spielen in Cortina ist mehr als nur Sport. Es ist ein Erlebnis, das lange nachhallt. 


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