50 Jahre Winter-Paralympics: Gerd Schönfelder über Meilensteine und ein Ausblick auf Mailand Cortina

Vor einem halben Jahrhundert starteten die ersten Winter-Paralympics in Schweden – heute ist Para-Sport eine internationale Bühne für Höchstleistungen. Gerd Schönfelder blickt zurück auf die Anfänge, die Meilensteine und die Entwicklung des Sports, der längst nicht mehr „erklärt“, sondern gefeiert wird. Ein Rückblick auf Triumphe, Herausforderungen und die Paralympics in Mailand Cortina. 

Vor 50 Jahren fanden die ersten Winter-Paralympics in Schweden statt. Seitdem ist viel passiert: 50 Jahre voller Gänsehautmomente, Rekorde, Rückschläge und Triumphe. 50 Jahre, in denen sich nicht nur der Winter-Para-Sport, sondern der gesamte Para-Sport von einer Randerscheinung zu einer selbstbewussten, internationalen Bühne des Spitzensports entwickelt hat. 

„Als ich 1992 Paralympics gefahren bin, lief der Bericht am Ende der Sendung Aktion Sorgenkind. Da wurden schwerst-behinderte Kinder gezeigt und zum Schluss wir. Das sagt glaube ich genug darüber aus, wo wir gestartet sind“, blickt Gerd Schönfelder, der erfolgreichste Para-Sportler aller Zeiten, auf seine Leistungssportkarriere zurück. Heute sei die Wahrnehmung eine völlig andere – auch dank kontinuierlicher Spitzenleistungen von Top-Athleten und -Athletinnen wie Verena Bentele und ihm selbst. „Wenn Namen immer wieder auftauchen, verändert das den Blick auf den gesamten Sport.“  

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Ein entscheidender Moment waren die Paralympics in London 2012: „Das waren die Spiele der Paralympics“, erinnert sich Gerd Schönfelder zurück. Für ihn gelten sie als Wendepunkt: ausverkaufte Stadien, große Bilder, eine neue Erzählung. Der Para-Sport wurde nicht mehr erklärt – er wurde gefeiert. 

„Die Engländer haben eine neue Geschichte über uns erzählt. Die haben mit Kleinwüchsigen Werbung an 50 Meter hohen Häuserfassaden gemacht. Die haben uns rausgeholt aus dieser Schiene, ‚die armen Behinderten‘, sondern wir waren da Heroes. Die haben jedes Stadion ausverkauft, egal, ob olympisch oder paralympisch“,

 erinnert sich der sechzehnfache Paralympicssieger zurück. 

Seitdem hat sich viel bewegt. Die Leistungsdichte ist enorm gestiegen, die Professionalisierung vorangeschritten, die mediale Präsenz gewachsen. Es geht um Leistung. Und darum, gesehen zu werden. 

Eine wichtige Rolle auf diesem Weg spielte und spielt die Unterstützung im Hintergrund. Die komplette Paralympics-Mannschaft in Mailand Cortina wird von der Sporthilfe unterstützt. „Ohne die Sporthilfe wäre es verdammt schwer, gerade im Para-Sport. Die Kosten sind enorm: Reisen, Übernachtungen, Liftgebühren, Material. Ohne Förderung könnten nur die weitermachen, deren Eltern den Sport finanzieren können – und das wäre fatal“, erklärt Gerd Schönfelder, der Mitglied der Hall of Fame des deutschen Sports ist. „Die Sporthilfe sorgt dafür, dass das Talent zählt, nicht der Geldbeutel. Das System, das sie geschaffen hat, ist die Grundlage, damit Para-Athletinnen und -Athleten überhaupt konkurrenzfähig bleiben.“ Trotz positiver Entwicklungen sieht er weiterhin strukturellen Handlungsbedarf: Fehlende Trainingsorte, mangelnde Schneesicherheit, zu wenig mediale Sichtbarkeit außerhalb der Paralympics. 

Nun richtet sich der Blick nach vorn – auf die Paralympics in Mailand und Cortina. Eine traditionsreiche Wintersportregion, große Kulissen, leidenschaftliches Publikum. „Bei den Olympischen Spielen in Mailand Cortina wurde viel bemängelt, dass die Sportstätten zu verstreut waren und dadurch kein richtiges olympisches Flair aufkam. Ich glaube nicht, dass das bei den Paralympics ein Problem sein wird. Für uns ist das einfach mit Abstand das größte Event und unsere Chance in Erscheinung zu treten“, sagt Gerd Schönfelder. „Ich glaube, das werden sehr gute Spiele für uns.“  

Sportlich sieht der ehemalige Spitzensportler das deutsche Team gut aufgestellt: „Mit Anna-Lena Forster haben wir eine absolute Topfavoritin. Auch Annemarie Rieder kann in einzelnen Disziplinen Medaillen holen. Bei den Männern haben wir Christoph Klötzner. Aber da ist die Konkurrenz brutal stark – da sind Platzierungen in den Top Fünf schon ein Erfolg.“ 

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50 Jahre Winter-Paralympics bedeuten deshalb nicht nur Rückblick, sondern vor allem auch Aufbruch. Junge Athletinnen und Athleten wachsen heute mit Vorbildern auf, mit professionellen Rahmenbedingungen und mit der Selbstverständlichkeit, Teil des Spitzensports zu sein. Gleichzeitig tragen sie denselben Kern in sich, der den Para-Sport seit Beginn prägt: Mut, Ehrgeiz und die Bereitschaft, weiterzugehen – auch wenn der Weg steinig ist. Mailand und Cortina werden das nächste Kapitel schreiben. Die Bühne ist bereitet für neue Geschichten. 

Sporthilfe, März 2026


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