KiO Young Champions: 15 junge Topathletinnen und -athleten setzen sich für organkranke Kinder und die Organspende ein

Festhalten, loslassen – und das im richtigen Moment, jeder Fehltritt oder -griff kann den Absturz bedeuten. Das ist Alltag für Hannah Meul. 2022 hat sie bei den Europameisterschaften in München die Silbermedaille im Bouldern gewonnen. Als Sportkletterin kann, nein, muss sie sich auf ihren Körper verlassen können. Dank ihres täglichen, harten Trainings funktioniert das in der Regel auch. Und doch, oder gerade deshalb, weiß Hannah, dass Gesundheit keine Selbstverständlichkeit ist. Sie weiß, was es bedeutet, wenn man krank ist. Sie hat auch erfahren, was es bedeutet, wenn ein Kind lebensbedrohlich krank ist – und nur durch eine Organtransplantation gerettet werden kann. 

Einem kleinen Jungen aus Hannahs Nachbarschaft ging es so. „Er ist wie mein kleiner Bruder“, sagt sie in ihrem emotionalen Video, das sie für die „KiO Young Champions“ aufgenommen hat. „KiO“ steht für „Kinderhilfe Organtransplantation – Sportler für Organspende e.V.“. Denn der gemeinnützige und mildtätige Hilfeverein hat sportliche Wurzeln, wurde 2004 gegründet, mehr als 100 Olympiasiegerinnen und -sieger, Weltmeisterinnen und Europameister wie etwa die Legenden Timo Boll, Franziska van Almsick, Felix Neureuther, Matthias Steiner und Kristina Vogel sind Mitglied. Sie alle werben für den Organspendeausweis und unterstützen KiO als Repräsentanten bei Benefiz-Veranstaltungen.  

Hannah Meul (2. Platz bei der Boulder-EM 2022) // ©Michael Neugebauer / KiO

Doch Organspende und -transplantation sind keine leichten Themen, viele Menschen ducken sich davor weg. Um verstärkt neue und auch jüngere Zielgruppen zu erreichen und für das Thema zu sensibilisieren, entwickelte das KiO-Team deshalb die Idee, die bisherige Altersgruppe der „Sportler für Organspende“ um junge Athletinnen und Athleten und damit um eine neue Generation zu ergänzen. Ziel ist, insbesondere ihre Reichweite über die sozialen Medien zu nutzen – die Idee der „KiO Young Champions“ war geboren.  

Als die KiO-Vorsitzende Franziska Liebhardt, Paralympicssiegerin und Mitglied im Sporthilfe Alumni-Club, die Stiftung bittet, den Kontakt zu geförderten Top-Talenten aus verschiedenen Sportarten herzustellen, zögert diese nicht lange. Mit Erfolg. Denn als Hannah Meul über die Sporthilfe von KiO angesprochen wird, ist die Überraschung groß: Klar, sie kenne KiO – über die Familie ihres kleinen Nachbarjungen. Hannah sagt direkt zu, sich den KiO Young Champions anzuschließen. Das Video, das sie in der Folge auf Instagram postet, zeigt Wirkung: Bereits in den ersten 24 Stunden wird es 75.000 Mal aufgerufen und erhält über 2.000 Likes. Hannah Meul tritt damit im Sinne der guten Sache in die Fußstapfen ihrer prominenten Vorgängerinnen und Vorgänger. 

Wie Hannah machen es 14 weitere Top-Talente aus verschiedenen olympischen und paralympischen Sportarten. Sie alle eint die Chance auf Medaillen bei den nächsten Olympischen und Paralympischen Spielen – und die soziale Ader. Viele von ihnen haben bereits große Social-Media-Reichweiten mit zehntausenden Followern. Wie Niklas Kaul und Alina Böhm. Der Welt- und Europameister im Zehnkampf und die zweimalige Europameisterin im Judo sind die Teamkapitäne der KiO Young Champions. Alina hat Sportpublizistik studiert und ihre Bachelorarbeit über „Nutzung und Wirkung von Social Media im Spitzensport“ geschrieben. 

Auf Instagram folgen der 27 Jahre alten Social-Media-Expertin mehr als 100.000 Menschen, sie hat die Kampagne der KiO Young Champions mitentwickelt: Über den Zeitraum von fast einem Jahr wird seit dem Sommer wöchentlich ein KiO-Young-Champions-Video mit persönlichen Statements zur Organspende und zur KiO-Hilfe auf Instagram und in anderen sozialen Medien veröffentlicht. 

„Ich setze mich dafür ein, dass Kinder mit einer Organtransplantation die Unterstützung bekommen, die sie brauchen – und dass wir als Gesellschaft hinschauen, helfen und Verantwortung übernehmen“, postet etwa Judo-Europameisterin Seija Ballhaus, die ebenso wie ihre Zwillingsschwester Mascha, zweimalige WM-Dritte, bei KiO mitmacht.   

©Michael Neugebauer / KiO

Zu den KiO Young Champions gehören auch Ole Schweckendiek, Junioren-Weltmeister im Segeln, Hockey-Nationalspielerin Stine Kurz, Linn Kazmaier, Paralympicssiegerin im Ski nordisch, Lotti Hubert, Junioren-Weltmeisterin im Wasserspringen, Sarah Voss, Europameisterschafts-Dritte im Gerätturnen, Triathlon-Hoffnung Finn Große-Freese, Elisabeth Gette, Junioren-WM-Zweite im Fechten, Snowboard-Junioren-Weltmeister Max Kühnhauser, Lennart Sass, Paralympics-Bronzemedaillengewinner im Judo und Leichtathletin Rosina Schneider, U20-Europameisterin über 100 Meter Hürden. Sie sind für KiO die neue Generation. 

Franziska Liebhardt bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro // ©dpa picture alliance

 

Franziska Liebhardt, selbst lungen- und nierentransplantiert, ist begeistert vom sozialen Engagement der jungen Athletinnen und Athleten: „Die KiO Young Champions repräsentieren eine neue deutsche Sportlergeneration mit großen Ambitionen und gesellschaftlichem Engagement. Ich finde es großartig, wenn junge Menschen auf der Sonnenseite des Lebens mit ihren Mitmenschen mitfühlen und sie mit ihren besonderen Möglichkeiten unterstützen.“   


Verein Kinderhilfe Organtransplantation – Sportler für Organspende

Vor gut 30 Jahren versammelte Hans Wilhelm Gäb, langjähriger Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzender der Sporthilfe, einen Kreis von nachher mehr als 100 Olympiasiegerinnen und -siegern, Weltmeistern und Europameisterinnen um sich, um für die die lebensrettenden Möglichkeiten der Organtransplantation zu werben. Die Bewegung „Sportler für Organspende“ entstand, mit Persönlichkeiten wie Franz Beckenbauer, Rosi Mittermaier oder Heiner Brand als prominentesten Gesichtern. Gäbs Leben selbst war 1994 durch eine Lebertransplantation gerettet worden. 2004 folgte die Gründung der Kinderhilfe Organtransplantation e.V., seitdem unterstützt KiO transplantierte Kinder und deren Familien in sozialen und finanziellen Notlagen sowie mit erlebnispädagogischen Maßnahmen. 

 

Dieser Beitrag wurde in der 2. Ausgabe des Sporthilfe Magazins 2025 veröffentlicht und inzwischen aktualisiert. 


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