Markus Bauer: Start-up - Der Motor zum Erfolg

Vom Mountainbike-Profi zum Unternehmensgründer: Markus Bauer hat den Schritt gewagt und gründete seine eigene E-Mountainbike-Firma


„IF1 aktuell ausverkauft!“ Mit dieser Botschaft grüßt die Website von Infront Bikes, dem Start-up von Ex-Mountainbiker Markus Bauer, bereits kurz nach der Markteinführung seines ersten E-Mountainbikes (EMTB). Kein schlechtes Zeichen für eine Marke, die erst seit Mai dieses Jahres auf dem Markt ist. Der Freiburger hat sein Hobby bereits zum zweiten Mal zum Beruf gemacht und scheint in seiner zweiten Passion ebenso aufzugehen wie zuvor im Leistungssport.

 

Verletzung verhindert Olympia-Teilnahme

Im Profi-Radsport erlebte Bauer Höhen und Tiefen. Von 2015 bis 2017 war er Profi-Mountainbiker, verpasste jedoch aufgrund eines schweren Trainingssturzes, bei dem er sich die Hüfte brach, sein designiertes Karrierehighlight, die Olympischen Spiele in Rio. Aus der Reha kommt er schließlich stärker denn je zurück, wird im September 2017 erstmals Deutscher Meister im MTB-Marathon. Dennoch ist für den damals 28-Jährigen, der parallel „Produkt Innovation“ studiert, bereits klar, dass er sich zum Saisonende selbstständig machen wird.

Einmal Mountainbiker immer Mountainbiker - auch nach seiner Leistungssport-Karriere schwingt sich Markus Bauer noch regelmäßig auf den Sattel - hier beim legendären "Cape Epic" (Bild: Lynn Sigel)

Rückblende: Im Sommer 2017 befindet sich der Radsportmarkt in einem großen Umbruch. Der sportive Verkauf und damit auch das sportliche Engagement der kleineren Mountainbike-Marken sind rückläufig, gleichzeitig boomt der Markt mit E-Bikes. Bauer weiß, dass sein Profivertrag zum Jahresende vermutlich enden wird und hegt erste Start-up-Gedanken.

Als ehemaliger Mountainbike-Profi hat Markus Bauer das nötige Fingerspitzengefühl für die Feinabstimmung der Räder (Bild: privat)

Im August nimmt er die Verhandlungen mit seinem jetzigen Produktionspartner, der Cycle-Union, auf, unterschreibt im November den Mietvertrag für sein Büro in Freiburg und beginnt gleichzeitig mit der Entwicklung des Bikes. Kein halbes Jahr später stehen die ersten 25 Räder zum Verkauf, die er über seine Homepage vertreibt.

„Die Finanzierung war nicht einfach, produziert wird nur gegen Vorkasse. Und mir fiel es extrem schwer, einzuschätzen, wie viel ich wohl verkaufen könne. Mit dem Neustart einer eigenen Marke ist es schwierig, Investoren zu überzeugen.“ Deshalb waren es zunächst auch nur 25 Räder. Die gingen dann allerdings innerhalb von drei Wochen weg. Etwa vier Monate Vorlauf muss er einplanen, bis ein Rad von der Bestellung über die Produktion bis zur Auslieferung fertig ist. Da braucht es einiges an Fingerspitzengefühl, um weder zu viel noch zu wenig vorzuproduzieren. Für November hat er nun gleich 50 Räder in Auftrag gegeben und ist zuversichtlich, auch diese allesamt an den Mann bzw. an die Frau bringen zu können.

Seine fachliche Qualifikation zur Unternehmensgründung hat Bauer im Studium „Produkt Innovation“ mit Hauptschwerpunkt Elektromobilität an der Hochschule Furtwangen, einer Partnerhochschule des Spitzensports, erlangt. Dass er inklusive seines Bachelors in Engineering 16 Semester studiert haben wird, wenn er seinen Master beendet, stört ihn wenig. Vielmehr ist er glücklich, dass ihm das Studium neben dem Sport überhaupt möglich war. Nicht nur für ihn, sondern aktuell auch für 15 weitere Athleten, sei die in Furtwangen in der Prüfungsordnung verankerte Flexibilisierung des Studiums extrem wichtig.

Die Ungewissheit über das Marktpotenzial eines neuen Produkts eint Markus mit anderen Gründern, nicht zuletzt auch mit seinem Mentor, der ihm über das Mentorenprogramm der Sporthilfe und der WERTE-Stiftung vermittelt wurde. Daniel Eckes ist selbst mehrfacher Unternehmensgründer und war dem Jungunternehmer in der gesamten Gründungsphase eine unverzichtbare Hilfe. „Mit ihm habe ich in den letzten Jahren viel abgesprochen und bin ihm unheimlich dankbar für die Unterstützung.

Das ist mittlerweile kein reines Mentoring mehr, sondern es hat sich darüber hinaus eine Freundschaft entwickelt.“

Auch die Sporthilfe-Einladungen zum „Pathfinder Day“ oder zum Sporthilfe Elite-Forum hat er in der Vergangenheit dankbar angenommen. „Diese Termine helfen sehr dabei, den Horizont zu erweitern“, sagt er. Als Sporthilfe Alumni-Club Mitglied schätzt er das Netzwerk, das ihm die Sporthilfe-Veranstaltungen bieten.

Auf dem Weg zur Gründung von "Infront Bikes" erhielt Markus Bauer unverzichtbare Hilfe - beispielsweise in Person seines Mentors Daniel Eckes (Bild: privat)

Dass es für „Infront Bikes“ so gut losgeht, hatte er zwar erhofft, war sich aber doch unsicher über das Marktpotenzial des EMTBs. Nahezu ohne Marketing-Budget war der Deutsche Meister im Marathon 2017 stark darauf angewiesen, mit seinem Namen und seiner Expertise aus der eigenen Vergangenheit als Profi das nötige Grundvertrauen bei den Kunden zu schaffen. Dafür betreut er jeden Kunden persönlich und individuell. 14 Kunden hat er in Freiburg bislang bei Testfahrten begleitet, alle haben direkt danach noch im Büro ein Rad gekauft. Dass diese persönliche Betreuung nicht skalierbar ist, ist dem 29-Jährigen, der nebenbei nun seine Masterarbeit schreibt, durchaus bewusst. Er arbeitet bereits an einem Konzept, das es ihm erlaubt, weiterhin persönlich und glaubwürdig hinter dem von ihm entwickelten Rad zu stehen, aber zukünftig dennoch Arbeit an Mitarbeiter abgeben zu können.

Blick in die Zukunft - aktuell plant Markus Bauer an einem zweiten Rad (Bild: privat)

Aktuell besteht sein Team in Freiburg aus drei Leuten. Mit zwei Freelancern kümmert er sich um die Produktentwicklung, den Onlineshop, die Verkaufsabwicklung sowie die Betreuung der Marke auf den Social-Media-Kanälen. Mit der neuen Saison 2019 plant er, im Frühjahr auch erste Mitarbeiter anzustellen.

Ein zweites Rad ist in Planung und soll eines speziell für Pendler werden, mit Schutzblech, Ständer und Beleuchtung. Nicht nur, weil die Alltagsmobilität einen großen Markt biete, sondern auch, weil das Fahrrad dadurch wieder in der Mitte der Gesellschaft ankomme. „Das freut mich am meisten, dass das Bike als Fortbewegungsmittel wieder auf dem Vormarsch ist.“ Der wichtigste Motor für Markus, so scheint es, ist nicht der Antrieb am Rad, sondern seine Liebe zum Sport.

(Veröffentlicht am 15.10.2018)



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