Die perfekte Welle - Deutschlands Surf-Nachwuchs auf dem Weg nach Tokio 2020

Surfen wird 2020 in Japan olympisch sein - fünf deutsche Athleten werden auf ihrem Weg nach Tokio im Top-Team Future bzw. im Top-Team unterstützt


Sie sind cool, sie sind hip. Sie glänzen mit Salzwasserfrisuren und einem glücklichen Grinsen im Gesicht. Surfer verkörpern auf der Suche nach der perfekten Welle den Traum von Freiheit, Unabhängigkeit und Naturverbundenheit – abseits von Turnhallen, starren Trainingszeiten und gewachsenen Vereins­ und Funktionärsstrukturen. Außer einem Brett brauchen sie nicht viel zum Glücklichsein. „Surfen ist für mich ein Lifestyle! Ich richte mein ganzes Leben danach aus und versuche da zu sein, wo die besten Wellen sind.“ Bei Arne Bergwinkl, Deutschlands bestem Surfer der vergangenen Jahre, springt einem die pure Leidenschaft für seinen Sport regelrecht entgegen.

Das Gefühl nach einer guten Surfsession ist unvergleichlich – only a surfer knows the feeling.

 

Arne Bergwinkl: Deutschlands bester Surfer der letzten Jahre (Bild: Andrej Johannes Wyneken)

Aufgewachsen in Canoa in Ecuador ist Arne einer von fünf Deutschen, die sich berechtigte Hoffnungen machen, 2020 bei den Olympischen Spielen um Medaillen zu surfen. Wellenreiten, nicht zu verwechseln mit Windsurfen, wird in zwei Jahren in Japan erstmals zum olympischen Programm gehören. Die freiheitsliebende, ungezwungene Sportart, die so gar nichts gemein zu haben scheint mit den starren Strukturen des organisierten Sports, fügt sich ein in die olympische Familie. Plötzlich tauchen in der hippen Surfergemeinde Begriffe wie Leistungsförderung und Olympianorm auf. Die Szene ist gespalten. Manche befürchten negative Auswirkungen, haben Bedenken, dass der Lifestyle kaputtgehen wird.

Leon Glatzer – aufgewachsen in Costa Rica – gehört zu den hoffnungsvollsten Talenten im deutschen Surfsport (Bild: Andrew Christie)

Ermöglichung professioneller Strukturen

 

Die Athleten dagegen sind begeistert: „Es ist ein unglaublicher Schritt für unseren Sport, der damit eine größere Aufmerksamkeit bekommt“, benennt Leon Glatzer die erhofften positiven Effekte. 

Der 21­-Jährige gehört zu den hoffnungsvollsten Talenten im deutschen Surfsport. Groß geworden in Costa Rica hat er es trotz dort fehlendem systematischem Training in den Kader des Deutschen Wellenreit Verbandes (DWV) geschafft. Dieser unterstützt ihn insbesondere mit einem eigenen Trainer. „Einen Coach an meiner Seite zu haben, hilft mir ungemein. Früher war Surfen immer nur Spaß, aber ich habe in den letzten Monaten viel gelernt, auch, dass es nicht immer nur um Spaß geht. Es ist auch harte Arbeit. Aber gibt es einen besseren Job auf dieser Welt!?“

Surfen ist trotz seines Klischees des „easy livings“ ein extrem anspruchsvoller Sport – Image und Realität gehen hier oft weit auseinander.

Einen Großteil des Jahres sind Profisurfer, wie Arne Bergwinkl, rund um den Globus unterwegs. „Ich bin circa drei Viertel des Jahres auf unterschiedlichen Contests, mit Anreise und Vorbereitung nimmt das einen Großteil meiner Zeit in Anspruch.“ Daneben steht täglich hartes Training. Der 17-­jährige Lenni Jensen beschreibt einen typischen Trainingstag: „6 Uhr aufstehen, nach dem Frühstück Warmup, dann eineinhalb Stunden Freesurfen, ein halbe Stunde dehnen mit anschließender Videoanalyse und Besprechung, eine Stunde Schnellkraft mit meinem Fitnesscoach, nochmals eine halbe Stunde dehnen, Mittagessen, zwei Stunden Regeneration und anschließend nochmal eine zweite Surf­Session inklusive Videoanalyse und Dehnen.“ Der aktuell Jüngste im Surfteam Germany ist in Ribnitz-­Damgarten an der Ostsee geboren, aber mittlerweile wegen der besseren Trainingsbedingungen auf Teneriffa beheimatet. Mit gerade mal 16 Jahren wurde er im Januar Kanarischer Meister bei den Männern – etwas, das in diesem Alter noch keinem anderen Surfer vor ihm gelungen ist. Sein nächstes Ziel ist die Qualifikation für die Junioren-­Weltmeisterschaft der World Surf League (WSL).

Lenni Jensen wurde mit 16 Jahren Kanarischer Meister bei den Männern (Bild: Martin Ried)

Und dann lebt da der Traum von Olympia – den er sich auch mit Deutschlands bester weiblicher Surferin teilt. Francesca „Frankie“ Harrer hat mit gerade mal 20 Jahren bereits den Schritt in den Profisport geschafft. Aufgewachsen in L.A., ist die Tochter deutscher Eltern erstmals 2016 bei den nationalen Meisterschaften angetreten.

Frankie Harrer zählt mit zum Kreis der Medaillenkandidatinnen bei den Olympischen Spielen in Japan 2020 (Bild: Tony Heff)

Von der Szene wurde sie direkt ins Herz geschlossen, da sie nahbar und bodenständig ist ­ trotz des Rummels um ihre Person: 2016 hat es Frankie als erste Deutsche geschafft, einen Contest der Qualifying Series der WSL zu gewinnen. Nach dem fünften Platz bei den Weltmeisterschaften der International Surfing Association (ISA) 2017 wird ihr inzwischen nicht mehr nur die Olympia­Qualifikation, sondern sogar eine Medaille zugetraut. Frankie ist im DWV die einzige Athletin im Olympiakader und damit auch in der Top­Team­Förderung.

„Ich bin so aufgeregt, von der Sporthilfe unterstützt zu werden, weil sie finanziell hilft, sie aber auch einfach eine großartige Organisation an sich ist“,

zeigt sie sich dankbar für die Förderung.

Dankbar für Förderung

 

Ebenso wie Dylan Groen: „Ich kann es kaum glauben, dass mich die Sporthilfe in die Förderung aufgenommen hat. Auf Instagram sehe ich bei der Sporthilfe immer so viele große Athleten, die ihren Traum schon verwirklicht haben. Dass ich jetzt auch in diesem Team dabei bin, ist eine große Ehre“, zeigt sich der 18-Jährige von der Aufnahme in die Sporthilfe­-Familie begeistert.

Für die finanzielle Unterstützung im Deutsche Post Top­-Team Future sei er „sogar mehr als dankbar, da dies bedeutet, dass ich meinen Traum weiterleben kann.“ Dylan, Sohn einer deutschen Mutter und eines südafrikanischen Vaters, zog mit vier Jahren von Berlin nach Portugal und ist seitdem fast nicht mehr vom Surfbrett wegzubekommen. In den vergangenen Jahren spielte er im europäischen Jugendbereich weit vorne mit. Kürzlich die Schule erfolgreich abgeschlossen, kann er sich zukünftig noch mehr aufs Surfen konzentrieren.

Durch die Aufnahme ins Deutsche Post Top-Team Future kann Dylan Groen seinen Traum von einer Surfprofi-Karriere weiterleben (Bild: Matty Dunbar)

Frankie bei den Frauen, Arne, Dylan, Lenni und Leon bei den Männern werden 2019 und 2020 bei den ISA­Weltmeisterschaften um die jeweils zwei möglichen deutschen Startplätze für die Olympischen Spiele in Tokio kämpfen. Der Zusammenhalt und die Unterstützung in dem „bunt zusammengewürfelten deutschen Nationalteam“ sei super, sagt Arne. „Am Ende des Tages sind wir aber natürlich auch Konkurrenten, denn es können nicht alle zu Olympia fahren“, spricht Leon für alle stellvertretend den Leistungsgedanken aus, und ergänzt ganz im Sinne von Leistung, Fairplay und Miteinander: „Wichtig ist, den Wettkampf im Wasser zu lassen.“ Und wenn es nicht klappt mit Olympia? Dann werden sie „auch in 20 Jahren auf jeden Fall surfen!“ Wellenreiten – eine Lebenseinstellung.

Die deutschen Wellenreiter sind stolz, teil der Sporthilfe-Familie zu sein


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