Basketballerin Jessika Schiffer wechselt im Sommer ans College (Foto: Jörg-Lutz Schiffer)

Mit Stipendium ans US-College: Drei Sporthilfe-Athleten berichten

Basketballerin Jessika Schiffer, Langstreckenläufer Sebastian Hendel und Sportschütze David Koenders stammen aus ganz verschiedenen Sportarten - haben sich aber alle für ein College-Studium in den USA entschieden.


In den USA genießt College-Sport traditionell eine hohe Wertschätzung. Das gilt für uramerikanische Sportarten wie American Football und Basketball, aber auch für vermeintliche Randsportarten. Viele US-Colleges legen großen Wert auf sportliche Erfolge und halten weltweit Ausschau nach Talenten - auch in Deutschland. Hier berichten die Sporthilfe-geförderten Athleten Jessika Schiffer (Basketball), David Koenders (Sportschießen) und Sebastian Hendel (Leichtathletik), wieso sie sich fürs College entschieden haben, wie der Auswahlprozess aussah und wie Sport und Studium in den USA zusammenspielen.


David Koenders

Sporthilfe-gefördert: seit 2016

Sportart: Sportschießen, größter Erfolg: zweifacher Junioren-Europameister

College: West Virginia University (seit 2017), Studienfach: Psychologie

Sportschütze David Koenders schießt und studiert seit 2017 an der West Virginia University in den USA (Foto: WVU)

„An mein College bin ich vor zwei Jahren über persönliche Kontakte gekommen. Ich kannte zwei deutsche Schützen, die ebenfalls an der West Virginia University studiert haben und habe die Uni daher neben zwei weiteren angeschrieben. Wenn beide Seiten Interesse haben, wird man von der Uni zu einem sogenannten ‚Official Visit’ eingeladen, bei dem man den Campus gezeigt und die Abläufe erklärt bekommt. Anschließend setzen sich Team und Trainer zusammen und machen der Person, wenn es passt, ein Angebot für ein Stipendium – so scheint es bei mir gewesen zu sein. Bei uns im Schießen gibt es automatisch Vollstipendien wie im Basketball oder im Football. Wir teilen die Stipendien unter den Teammitgliedern auf, so dass jeder auf etwa 60 Prozent kommt. Ich habe zusätzlich noch ein akademisches Stipendium und muss daher nur einen Teil meiner Miete selbst zahlen. Seit 2019 bekomme ich auch das Deutsche Bank Sport-Stipendium der Sporthilfe. Für den Schießsport gibt es in den USA nicht tausende Colleges wie für Football, sondern etwa 35, meist an der Ostküste – daher ist die Community relativ klein. Die Verbindung zwischen Sport und Studium klappt besser als in Deutschland, wo ich ein Jahr in Frankfurt studiert habe – dort war leider nur bedingt Flexibilität vorhanden. Hier kann ich mich als Athlet vor allen anderen einschreiben und meinen Stundenplan um die Trainingszeiten herumbasteln. Außerdem ist alles besser aufeinander abgestimmt. Wenn man ein Problem hat, gibt es immer große Unterstützung bei der Organisation. Die Professoren sind sehr kooperativ, weil es in den USA ein großes Verständnis für College-Sport gibt. Wir Sportler haben auch ein eigenes Study Center, wo es Schreibmaterialien, Computer und Arbeitsplätze gibt.“


Jessika Schiffer

Sporthilfe-gefördert: seit 2017

Sportart: Basketball, größter Erfolg: U18-Europameisterin

College: University at Buffalo, New York, Studienfach: undecided

„Ich habe schon mit 13 Jahren für mich entschieden, dass ich in die USA gehen möchte – weil es mich begeistert hat, dass dort beim Frauen-Basketball nicht nur 100 Leute in der Halle sind, sondern deutlich mehr. Zuerst wollte ich aber mein Abitur in Deutschland machen. Jetzt habe ich noch ein Jahr Bundesfreiwilligendienst drangehängt und gehe nun im Sommer an die University at Buffalo, das liegt im Norden des Bundesstaats New York in der Nähe zu den Niagarafällen und der kanadischen Grenze. Dort werde ich für die Buffalo Bulls auflaufen, eine der besten Uni-Mannschaften. Auf meine Uni bin ich eher zufällig gestoßen: Über Scouts bekam ich bei der U18-EM letztes Jahr ein paar Angebote und wurde auch über Facebook angeschrieben, aber das sagte mir nicht wirklich zu. Also bin ich die guten Basketball-College-Ligen durchgegangen und habe Buffalo einfach mal auf gut Glück angeschrieben – und es hat geklappt. Dort habe ich ein Vollstipendium, bekomme also die Studiengebühren erlassen sowie die Unterkunft und Verpflegung gestellt. Was ich dort studieren möchte, habe ich noch nicht entschieden. Theoretisch kann ich auch bis zu zwei Jahre allgemeine Kurse belegen und sehr breit studieren – das heißt dort ‚undecided’. Bei uns Basketballern kommt es inzwischen immer häufiger vor, dass junge Mädchen aus Deutschland ans College gehen - eine Teamkollegin aus der Nationalmannschaft wird mich vermutlich sogar nach Buffalo begleiten. Bevor es losgeht, steht für mich aber nach EM-Gold bei der U18 letztes Jahr noch die U19-WM in Bangkok an.“

Jessika Schiffer (r.) gewann mit der deutschen U18-Nationalmannschaft 2018 den EM-Titel (Foto: Jörg-Lutz Schiffer).

Sebastian Hendel

Sporthilfe-gefördert: 2014 und nach Unterbrechung seit 2018

Sportart: Leichtathletik/Langstreckenlauf, größter Erfolg: Deutscher Meister über 5000m und 10.000m

College: Iona College, New York (2014-2016), Studienfach: Finanzen

Sebastian Hendel war von 2014 bis 2016 in den USA und studiert heute in Zwickau Wirtschaftsingenieurwesen (Foto: picture alliance).

„Als Junior war ich in meiner Altersklasse unter den Top 5 der europäischen Rangliste, woraufhin mich einige Trainer von Colleges via Facebook angeschrieben haben. Die meisten Anfragen habe ich ignoriert, aber manche fand ich interessant und führte daher ein paar unverbindliche Gespräche mit Coaches. Im Frühjahr 2014 lud mich das Iona College in der Nähe von New York City zu einem ‚Official Visit’ ein – danach habe ich lange hin und her überlegt und schließlich zugesagt. Mit dem College-System hatte ich mich vorher nicht auseinandergesetzt und habe vieles auf mich zukommen lassen. Ich bekam ein Vollstipendium, das deckte die Lehr- und Bücherkosten sowie Verpflegung und Unterkunft ab. In den USA ist einem als Stipendiat der Studienplatz sicher und vieles wird einem abgenommen. Die Abstimmung mit den Dozenten läuft viel besser als an deutschen Unis, in Amerika herrscht viel mehr Verständnis für die Belange eines Leistungssportlers. Der Sport wird dort einfach anders gelebt, auch in die Leichtathletik ist hier ein echter Teamsport. In meinem College gab es zwar kein großes Football- oder Basketballteam, daher waren die Trainingsmöglichkeiten nicht ganz so überragend wie anderswo – im Vergleich zu Deutschland aber immer noch ausgezeichnet. Auch wenn die Betreuung durch die Trainer intensiver war: Sportlich habe ich mich in den USA nicht großartig weiterentwickelt, sondern erst wieder zuhause beim Training in meiner sächsischen Heimat."



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