Theresa Stoll

Judo

Mit Kraft und Köpfchen

Theresa Stoll gehört zu den größten Judo-Talenten Deutschlands und schaffte 2017 ihren Durchbruch in die Weltspitze. Parallel meistert sie ein lernintensives Medizin-Studium. Für ihre Topleistungen in Sport und Studium wurde Theresa Stoll von der Deutschen Sporthilfe und der Deutschen Bank mit der Auszeichnung zum „Sport-Stipendiat des Jahres“ geehrt.


Sportlicher Durchbruch in 2017

Theresa Stoll hüpfte wie ein Flummi über die Judo-Matte und schlug immer wieder ungläubig die Hände vors Gesicht. Ihr Sieg beim Heim-Grand-Prix in Düsseldorf Ende Februar 2017 war offenbar sogar für sie selbst eine faustdicke Überraschung. Mit ihrem ersten großen internationalen Erfolg bei den Aktiven schoss Stoll wie ein Komet in die Weltspitze der Klasse bis 57 kg – und das, obwohl in diesem Jahr der Fokus eigentlich auf einem ganz anderen Ziel lag. Denn neben ihrer Sportlerkarriere studiert sie im vierten Semester Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Im Sommer stand dabei für sie mit dem Physikum die vielleicht größte Hürde und lernintensivste Klausur auf dem Programm. "Im Grunde habe ich jetzt damit angefangen, den Zeitplan auf die Olympischen Spiele in Tokio auszurichten", erklärt Stoll. Um in der Vorbereitung auf Olympia 2020 "alles etwas strecken zu können", sollte dieser Brocken so früh wie möglich aus dem Weg geräumt werden. Dafür verzichtete Stoll sogar schweren Herzens auf einen Start bei den Weltmeisterschaften Ende August in Budapest.

"Der Wechsel vom Jugend- in den Frauenbereich ist im Judo immer die größte Herausforderung", sagt die U23-Europameisterin von 2016. "Insofern ist es umso schöner, dass es jetzt schon im zweiten Jahr so gut läuft. Als der Neuling in der Runde wollte ich eigentlich nur meine Weltranglistenposition kontinuierlich verbessern." Das gelang, denn einige Wochen nach dem Erfolg beim Grand-Prix in Düsseldorf legte sie mit dem Gewinn der Silbermedaille bei der EM in Warschau nach. Binnen eines Jahres kletterte Stoll um mehr als 80 Plätze bis auf Position sieben.

Theresa Stoll - Judo
Theresa Stoll nach ihrem Sieg beim Grand Prix in Düsseldorf im Februar 2017 in der Gewichtsklasse bis 57kg.

Studium bislang in Regelstudienzeit

Noch beeindruckender wird Stolls Entwicklung beim Blick auf ihre Leistungen und Verpflichtungen abseits der Judo-Matte. Bislang absolvierte die Einser-Abiturientin trotz regelmäßiger Fehlzeiten und mit einer Ausnahme alle Prüfungen im Erstversuch. Sie studiert damit bislang in Regelstudienzeit. Für Leistungssportler beileibe keine Selbstverständlichkeit. "Mir wurde eingeräumt, etwas häufiger zu fehlen, aber Pflichtveranstaltungen bleiben Pflichtveranstaltungen", erklärt sie. Die Kombination aus einem lernintensiven Studium wie Medizin und dem Spitzensport erfordert ein enorm hohes Maß an Organisation.


Selbstdisziplin als Erfolgsstrategie

Möglich macht dies alles vor allem Stolls außergewöhnliche Selbstdisziplin. Ihr langjähriger Coach Lorenz Trautmann erzählte kürzlich der Süddeutschen Zeitung, er finde es manchmal beinahe unheimlich, wie mustergültig sie ihren unterschiedlichen Verpflichtungen nachkomme. "Ihr Wille ist grenzenlos", erklärte er. "Sie ist sehr ehrgeizig und manchmal etwas ungeduldig." Oft sitzt sie im Trainingslager noch spät abends über den Büchern und lernt. Doch anstelle die Koordination der beiden Aufgaben nämlich als Belastung zu empfinden, zieht die deutsche Judo-Hoffnung viel Kraft aus dem permanenten Wechsel: "Für mich ist das ein super Ausgleich. Beim Sport kann ich richtig gut abschalten. Klar ist es im Endeffekt auch eine Art der Konzentration, aber wenn man sich richtig auspowert, kann man danach auch wieder fokussierter lernen."

Sport und Studium in Kombination - eine Herausforderung, der sich so viele Leistungssportler in Deutschland stellen. Die Deutsche Bank vergibt mit der Deutschen Sporthilfe nun stellvertretend für alle studierenden  Spitzenathleten die Auszeichnung als Sport-Stipendiat des Jahres an Theresa Stoll. "Es ist schön, auch einmal von außerhalb der Judo-Kreise so eine Bestätigung zu erhalten", hatte sie bereits nach ihrer  Nominierung unter die Top 5 angemerkt. "Im Großen und Ganzen macht man das einfach, weil es einem Spaß macht. Insofern tut eine solche Anerkennung der eigenen Leistung unheimlich gut."

 

(Veröffentlicht am 16.09.2017)

Judoka Theresa Stoll wurde am 15. September 2017 in der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main als Sport-Stipendiatin des Jahres 2017 ausgezeichnet.



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