Foto: DRH Portraits

Was macht eigentlich...? Olympia-Schwimmer Martin Herrmann

Der Schwimmer, 1986 ausgezeichnet als „Juniorsportler des Jahres“, nahm 1988 und 1992 an den Olympischen Spielen teil und gewann EM-Silber und -Bronze. Parallel zum Sport studierte der Kölner BWL u.a. an der University of California in Berkeley. 1995 beendete er seine Sportkarriere, arbeitete zunächst als Wirtschaftsprüfer, schloss ein MBA-Studium an der Graduate School of Business, Stanford University an und gründete 2008 zusammen mit einem ehemaligen Tennisspieler mit Tempus Capital sein eigenes Unternehmen.


Martin, als die Sporthilfe im Januar zu Spenden aufgerufen hat, um den Wegfall der Benefizerlöse des „Ball des Sports“ zu kompensieren, hast Du spontan ein Prozent der fehlenden 750.000 Euro zugesagt. Warum ist Dir die Sporthilfe so viel wert?

Die Sporthilfe war zu meiner aktiven Zeit ein wichtiger Unterstützer. Einerseits finanziell, aber bereits die Aufnahme in die Sporthilfe-Förderung an sich und die damit verbundene Anerkennung und Bestätigung der Leistungsfähigkeit hat mir sehr viel bedeutet.

Im März 2020 bist Du zusätzlich zum Alumni-Club auch ins Kuratorium der Sporthilfe eingetreten, womit bereits eine jährliche Spende von 7.500 Euro verbunden ist.

Beim Ehemaligen-Club war ich gleich im Gründungsjahr 2000 mit dabei. Als es dann in unserer Firma gut lief, habe ich mir die Summe, die ich von der Sporthilfe bekommen hatte, auf den Cent ausrechnen lassen und zurück überwiesen. Ich wollte mein Konto auf Null stellen. Das hat etwas mit meiner ganz persönlichen Beziehung zur Sporthilfe zu tun. In den Folgejahren habe ich dann immer individuell gespendet. Jetzt nutze ich das Kuratorium noch als zusätzliches Forum.

Offensichtlich bist Du heute beruflich erfolgreich, wie wichtig war Dir die Duale Karriere?

Von Seiten meiner Eltern war es nie ein Thema, nur Sport zu machen. Das war gut für mich, denn es gab ja auch Jahre, in denen ich sportliche Rückschläge hatte. Wenn ich dann keine schulische oder akademische Weiterentwicklung gehabt hätte, wäre ich in ein Loch gefallen - zwischendrin oder spätestens zum Karriereende. Ich werbe sehr dafür, dass man früh die Weichen stellt.

Verhältnismäßig früh, mit 25 Jahren, hast Du dann Deine Karriere beendet. War es der richtige Zeitpunkt?

Aus heutiger Sicht würde ich vielleicht anders entscheiden. Aber es war eine bewusste Entscheidung. Wichtig ist, wie gesagt, dass man weiß, wie es weitergeht. Die Energie, die man bis dahin in fünf, sechs Stunden Training pro Tag gesteckt hat, muss ja irgendwo hin. Das muss nicht zwingend der Beruf sein, mit Reisen die Welt zu erkunden, wäre für mich auch was gewesen. Denn man muss sich bewusst sein, dass man im Job wieder ganz klein anfängt. Plötzlich schaut keiner mehr zu Dir auf dem Treppchen nach oben, Du bist der kleine Berufsanfänger. Das ist teilweise brutal. Aber wenn man beide Seiten einer Dualen Karriere ernst nimmt, dann bereitet man sich auch darauf gedanklich vor. Es ist gut, dass sich die Sporthilfe die Duale Karriere auf die Fahnen geschrieben hat.

Durch Dein Sport-Stipendium in Berkeley hast Du eine gute Vergleichsmöglichkeit. Was können wir uns noch mehr vom amerikanischen Sportsystem abschauen?

Meiner Meinung nach müsste eine Strukturreform her, die die Athletenförderung zentralisiert. An der Stelle ist es mir aber wichtiger, nochmal auf die eingangs angesprochene Spendenaktion zurückzukommen.

1986 wurde Martin Herrmann zum "Juniorsportler des Jahres" gewählt, als zehnter Gewinner der seit 1978 bestehenden Auszeichnung. (Foto: Laci Perenyi)

Durch Dein Sport-Stipendium in Berkeley hast Du eine gute Vergleichsmöglichkeit. Was können wir uns noch mehr vom amerikanischen Sportsystem abschauen?

Meiner Meinung nach müsste eine Strukturreform her, die die Athletenförderung zentralisiert. An der Stelle ist es mir aber wichtiger, nochmal auf die eingangs angesprochene Spendenaktion zurückzukommen. Da ich jetzt schon öfters beim Ball des Sports war, kenne ich das Klientel dort gut. Darunter sind viele Menschen, die sehr viel Geld haben und die sich mit dem Sport auch gerne schmücken. Dann, so finde ich, muss man auch dazu bereit sein, eine finanzielle Unterstützung zu leisten. Ich möchte an die Spendenbereitschaft in Deutschland appellieren - gerade im Vergleich zu den USA. 100 Ball-Teilnehmer zu gewinnen, die jeweils ein Prozent der 750.000 Euro spenden, das sollte doch eigentlich drin sein.

(Veröffentlicht am 21.04.2021)

Erschienen im Sporthilfe-Magazin go!d - Zur kompletten Ausgabe (1/2021)



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