Erik Lesser: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Der erfolgreichste Olympionike seiner Familie ist Biathlet Erik Lesser mit drei olympischen Medaillen zweifelsohne - aber er ist nicht der erste. Schon 1968, 1972 und 1976 trat Eriks Großvater Axel für die DDR im Langlauf an. Eine Medaille blieb ihm aber verwehrt.


Die Zeit, in der sein Nachname erstmals bei Olympischen Spielen auftauchte, kennt Biathlet Erik Lesser nur aus Erzählungen. Bei den Spielen 1968 in Grenoble liefen die Bilder noch grobkörnig in Schwarzweiß über den Fernseher und das deutsche Team war geteilt in eine west- und eine ostdeutsche Mannschaft. Für die DDR am Start war damals Axel Lesser, Skilangläufer aus Thüringen und Eriks Großvater. Eine Medaille blieb ihm bei seinen ersten Spielen jedoch verwehrt, genauso wie 1972 in Sapporo und auch 1976 in Innsbruck.

Axel Lesser bei den Olympischen Spielen 1972 in Sapporo - über 15 Kilometer wurde der Thüringer Sechster, mit der DDR-Staffel ebenfalls (Bild: picture alliance).

Auf den Spuren des Großvaters

46 Jahre später trat Erik Lesser in Sotschi in die Fußstapfen seines Opas – nicht als Langläufer, sondern als Biathlet. Und er hinterließ im olympischen Schnee seine eigenen Spuren. Beim 20-Kilometer-Einzelrennen traf der damals 25-Jährige alle 20 Schuss ins Schwarze und freute sich am Ende über Silber. Die Medaille widmete er seinen Großvätern, Willi Pietzko und eben Axel Lesser. „Es war für mich ein sehr spezieller Moment, dort zu sein, wo auch er gewesen war, und dann auch noch die Silbermedaille zu gewinnen“, sagt Erik, seit 2004 Sporthilfe-gefördert. „Sportlich gesehen war er immer mein großes Vorbild.“ Als Dreikäsehoch entschied er sich, obwohl begeisterter Fußballfan und Hobby-Kicker, gegen den Fußball- und für den Langlaufverein. Ab und zu nahm ihn der Opa, heißen Tee und Schokolade im Gepäck, mit auf den Rennsteig, wo er selbst in den Nachkriegsjahren den Grundstein für seine Laufbahn gelegt hatte. Nach der Grundschule wechselte Erik auf das Sportgymnasium in Oberhof und entschied sich fortan für Biathlon.

Der Kontakt zu Opa Axel wurde in der Folge weniger. Aber trotzdem, so betont Erik: „Er wusste immer, wo ich stehe.“ Ziemlich weit oben nämlich. Über zwei Dutzend Mal kam er bislang im Weltcup aufs Podium, fünf WM-Medaillen – eine davon jüngst mit der Staffel in Östersund – und drei bei Olympischen Spielen hat er auf dem Konto. Größter Erfolg von Großvater Axel war der zweite Platz mit der DDR-Staffel bei der WM 1970. „Er hatte in seiner Karriere viel Pech“, sagt Erik und spielt auf das Staffelrennen von Innsbruck 1976 an. Dort lag Lesser als zweiter Läufer klar auf Gold-Kurs, kollidierte dann aber mit einer Zuschauerin und musste das Rennen verletzt aufgeben. Noch heute ranken sich Mythen und Gerüchte um den Unfall, der für Axel Lesser das Karriereende bedeutete.

Die nächste Generation ist da

Inzwischen ist der Kontakt zwischen Großvater, 72, und Enkel, 30, wieder eng. Sie telefonieren, treffen sich, tauschen sich aus. Zum Beispiel über Olympia, denn bislang sind sie die einzigen Familienmitglieder mit olympischen Weihen. Eriks jüngere Schwester Sandra, bis 2012 ebenfalls Sporthilfe-geförderte Biathletin, beendete schon in jungen Jahren ihre Karriere. Ihr erst elfjähriger Bruder Pele heißt zwar wie ein Fußballer, entdeckt aber gerade den Langlauf für sich. Und dann ist da ja noch Anouk, Eriks Tochter, die Anfang des Jahres während des Heim-Weltcups in Oberhof auf die Welt kam. Die nächste Athletin? Der Papa würde für Mountainbike plädieren, sein eigenes Hobby – und ebenfalls olympische Sportart.

(veröffentlicht am 19. März 2019)

Erik Lesser

*17. Mai 1988 in Suhl

Sporthilfe-gefördert seit 2004

Größte Erfolge: 2x Olympia-Zweiter (2014), Olympia-Dritter (2018), 2x Weltmeister (2015), 5 Weltcupsiege


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