Bruno Massot

Eiskunstlauf

"Ohne Sporthilfe hätte ich aufgehört"

Im September 2014 entschied sich der französische Eiskunstläufer Bruno Massot mit der Chemnitzerin Aljona Savchenko für Deutschland international auf Medaillenjagd zu gehen. Nachdem der französische Verband Ende 2015 die Freigabe erteilt hatte, startete das Paarlauf-Duo durch und stand sowohl 2016 als auch 2017 bei den Europa- und Weltmeisterschaften auf dem Treppchen. Im Interview verrät Massot, was bis zu Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang noch zu tun ist.


Sporthilfe-Interview

Bruno, rein sportlich bist Du mit Aljona bereits für die Winterspiele qualifiziert. Eine weitere Voraussetzung für Deinen Olympia-Start ist aber die deutsche Staatsbürgerschaft, für die Du einen Sprach-Test bestehen musst. Wie gut ist Dein Deutsch mittlerweile?

Ich kann schon mehr als "Hallo", "Guten Morgen", "Auf Wiedersehen" und "Dankeschön" sagen. (lacht) Mit diesen Standards habe ich tatsächlich begonnen. Inzwischen bin ich weiter: Die mündliche Prüfung beim Deutsch-Test habe ich bereits mit einer sehr guten Note bestanden. Der schriftliche Teil bereitet mir jedoch etwas Kopfzerbrechen. Es ist so schwierig für mich, einen deutschen Text zu verstehen. Leider bin ich schon zweimal durchgefallen. Aktuell warte ich auf das Ergebnis des dritten Versuchs und hoffe natürlich, dass ich jetzt bestanden habe, denn ich habe mich wirklich intensiv vorbereitet. Drei Stunden pro Woche nehme ich weiterhin Deutschunterricht, denn ich will mich natürlich verbessern. Für den Sport reicht es aber bereits. Alle deutschen Worte, die sich um Eiskunstlauf drehen, verstehe ich mittlerweile sehr gut. Das Training findet nämlich prinzipiell auf Deutsch statt, da unser Trainer Deutscher ist.

Was vermisst Du hier in Deutschland am Meisten?

Natürlich fehlt mir meine Familie. Bis zu ihr sind es von München aus 1000 Kilometer, weshalb ich sie nur selten sehen kann. Glücklicherweise bin ich jedoch nicht ganz alleine. Meine Verlobte ist mit mir nach Deutschland gekommen und hat mir geholfen, mit der vor allem am Anfang sehr schwierigen Situation umzugehen. Aber von Tag zu Tag gewöhne ich mich mehr an Deutschland und fühle mich immer wohler hier.

Bruno Massot und Aljona Savchenko - Eiskunstlauf
Bruno Massot und Aljona Savchenko gewinnen bei der Eiskunstlauf-WM 2017 in Helsinki Silber und qualifizieren sich damit für die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang.

Unterstützt wirst Du in der Vorbereitung in der höchsten Förderstufe der Deutschen Sporthilfe. Was bedeutet das für Dich?

Die Förderung durch die Sporthilfe ist für mich sehr wichtig. Als ich nach Deutschland kam, hatte ich überhaupt keine Ahnung, wie alles hier funktioniert. Die zahlreichen Verwaltungsangelegenheiten – Wohnungssuche, Sozialversicherung, Krankenversicherung –, alles ist völlig anders als in Frankreich. Um einen guten Wettkampf zu bestreiten, muss man als Athlet jedoch den Kopf frei haben. Daher war mir die Deutsche Sporthilfe vor allem am Anfang eine enorm große Hilfe. Zudem war sie zu Beginn die einzige Institution, die mich neben der Deutschen Eislauf-Union überhaupt unterstützt hat. Aufgrund der Unstimmigkeiten mit dem französischen Verband hatten Aljona und ich zu Beginn ständig Zweifel, ob es überhaupt Sinn macht, gemeinsam weiterzukämpfen oder doch lieber aufzugeben. Wenn es in dieser Zeit die Sporthilfe nicht gegeben hätte, hätten wir wahrscheinlich aufgehört.

Bruno Massot und Aljona Savchenko - Eiskunstlauf

Wir wollen Olympiasieger werden

Seitdem Du mit Aljona für Deutschland startest, habt Ihr bei jeder EM und WM eine Medaille gewonnen. Seid Ihr selbst überrascht, dass es von Anfang an so gut lief?

In unserem ersten gemeinsamen Jahr war das alles in allem sicherlich eine Überraschung. Wir hatten zwar sehr gut trainiert und alles getan, um bei den Europameisterschaften auf dem Podium zu landen. Das war unser Ziel. Die Medaille bei den Weltmeisterschaften 2016 kam dann jedoch wirklich sehr überraschend. Das Niveau war extrem hoch, wir hatten eine Platzierung unter den besten Fünf angestrebt. Aber dann haben wir einen sehr guten Lauf aufs Eis gebracht. Dass es zu Platz drei gereicht hatte, davon waren wir sehr positiv überrascht.

Nach der Bronzemedaille in 2016 habt Ihr Euch bei den Weltmeisterschaften in diesem Jahr nochmals gesteigert und seid mit persönlicher Punkte-Bestleistung zu Silber gelaufen. Was habt Ihr Euch für die Olympischen Spiele in Pyeongchang vorgenommen?

Wir sind bei der WM im Februar so knapp an der Goldmedaille vorbeigeschrammt, dass es im kommenden Jahr unser einziges Ziel sein kann, ganz oben auf dem Podium zu stehen. Wir wollen Olympiasieger werden.

In dem Fall wird bei der Siegerehrung die deutsche Nationalhymne erklingen. Bist du schon textsicher?

Ich habe tatsächlich schon versucht, den Text zu lernen. Aber ehrlich gesagt ist er ziemlich kompliziert für mich. Bis zu den Olympischen Spielen will ich ihn aber auf jeden Fall können. (lacht)

Wie steht es mit Euren Wettkampf-Kostümen? Auf was dürfen sich Eure Fans freuen?

Unsere Outfits befinden sich aktuell noch in der Herstellung. Sie werden nicht hier produziert, deshalb haben wir sie auch noch nicht gesehen. In der Vergangenheit gab es immer mal wieder kleinere Probleme und Kleinigkeiten, die nach den einzelnen Wettkämpfen angepasst werden mussten. Daher haben wir noch keine 100-prozentig konkrete Vorstellung, wie die Kostüme bei den Olympischen Spielen aussehen werden. Da müssen sich unsere Fans noch ein wenig gedulden.

 

(Veröffentlicht am 18.09.2017 / das Interview wurde auf französisch geführt)

Ergänzung vom 24. November 2017: Bruno Massot hat die Prüfung bestanden kann nun eingebürgert werden.



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