
Sie teilen nicht nur die DNA, sondern auch die größten Momente ihrer Karrieren: Brüder und Schwestern im Spitzensport erleben Höhen und Tiefen gemeinsam – und machen Erfolge doppelt besonders. Im Schlaglicht diesmal: Drei Geschwisterpaare, die in ähnlichen, identischen und auch unterschiedlichen Sportarten zu den Olympischen Spielen wollen.
Es gibt im Sport diese besonderen Momente. Momente, die für immer bleiben. Der erste Sieg, die erste Medaille, eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen natürlich. Oder aber ein gemeinsames Erlebnis. Als Johannes Rydzek zu Beginn der Saison 2024/2025 zum ersten Mal seit mehr als sechs Jahren bei einem Einzel-Weltcup in der Nordischen Kombination wieder ganz oben auf dem Podest stand, gehörte seine Schwester Coletta im Ziel von Ruka zu den Gratulanten. So einen Tag auch noch mit ihr teilen zu dürfen, „da war ich einfach selig“, sagt der 34-Jährige.
Am Ende der Saison, als sich die Geschwister beim Finale in Lahti trafen, war es umgedreht. Da fieberte Johannes beim Langlauf-Sprint mit Coletta. Er rannte in den Zielraum und herzte seine Schwester, die gerade den ersten Weltcupsieg ihrer Karriere geschafft hatte. „Das war etwas Besonderes“, sagt Coletta. So etwas sei manchmal „mehr wert oder genauso viel wie Edelmetall“.
Coletta und Johannes treffen sich als Langläuferin und Nordischer Kombinierer im Winter gelegentlich auf gemeinsamen Weltcup-Stationen. Auch das Heim-Training in der Loipe absolvieren sie manchmal zusammen – und tauschen sich dabei aus. Coletta habe da „den Blick von außen, den es manchmal brauche“, sagt Johannes, der wie seine Schwester beim Zoll ist. Beide sind im Top-Team der Sporthilfe, allerdings wird nur Coletta finanziell gefördert.
Die Geschwister wuchsen in Oberstdorf im Allgäu auf, die Langlaufloipen vor dem Haus. Während Johannes bald zusätzlich die Herausforderung auf der Schanze suchte, blieb die heute 28-Jährige lieber mit den zwei Brettern unter den Füßen auf dem Boden. Oben auf der Schanze zu stehen, fand sie „gruselig“, erzählte sie einmal. Als ihre Karriere gerade begann, hatte der gut sechs Jahre ältere Bruder schon fast alles gewonnen, was ein Nordischer Kombinierer gewinnen kann. Mit 16 der erste Weltcup-Einsatz, mit 18 die erste Olympia-Medaille, mit 25 war er bereits sechsmaliger Weltmeister und ein Jahr später in Pyeongchang zweimaliger Olympiasieger. Nur der Gesamtweltcup fehlt noch in der Sammlung.

In den vergangenen Jahren gab es für ihn allerdings auch einige Rückschläge. Aber die Motivation hat Johannes Rydzek nie verloren. Dass er es geschafft habe, „die Freude hochzuhalten und nicht auszubrennen“ über all die Zeit, das mache ihn „ähnlich stolz“ wie die vielen Erfolge davor. Er freue sich „wie ein kleines Kind“, dass es jetzt wieder losgehe, sagt er vor dem Start in seine 18. Weltcup-Saison.
Coletta ist im Gegensatz zu ihrem Bruder eher eine Spätstarterin. Zu Beginn ihrer Karriere bremsten sie immer wieder gesundheitliche Probleme. Um sich auszukurieren, gönnte sie sich ein Jahr Wettkampfpause. Seit 2019 geht es bergauf. 2023 stand die Sprint-Spezialistin zum ersten Mal auf dem Weltcup-Podest und nun im vergangenen März holte sie die ersten Siege. Einen Tag nach ihrem Erfolg im Einzel gewann Coletta auch noch zusammen mit Laura Gimmler den Team-Sprint.
Die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina im kommenden Februar soll noch einmal ein gemeinsamer Höhepunkt in der Karriere der Geschwister werden. „Klar, der Traum von einer Olympischen Medaille ist schon da“, sagt Coletta. Die entsprechende Norm haben beide schon erfüllt. Auch den Zeitplan haben die beiden schon studiert und festgestellt, dass sie vermutlich die Wettkämpfe des jeweils anderen im Zielraum verfolgen können. Um da zu sein für den vielleicht nächsten besonderen Moment.
